Archiv der Kategorie: Genossenschaften der Region

Die GenoEifel wächst und wächst

Zweite Generalversammlung der Generationengenossenschaft in Kall – Mittlerweile 183 Mitglieder – Zahl der Aufsichtsratsmitglieder verdoppelt – Zahlreiche Ziele formuliert
Kall – Es war eine faustdicke Überraschung, mit der auch die beiden Vorstände der GenoEifel eG – die Generationengenossenschaft, Malte Duisberg und Karl Vermöhlen, nicht gerechnet hatten. Bei der zweiten Generalversammlung, die im evangelischen Gemeindezentrum in Kall stattfand, sollte unter anderem der Aufsichtsrat um eine Position auf vier erweitert werden. Manfred Poth, allgemeiner Vertreter des Landrats, hatte sich dazu bereit erklärt und wurde später auch von den fast 50 anwesenden Genossen in Abwesenheit gewählt.
Doch mit Poths Nominierung alleine war es nicht getan. Aus dem Plenum heraus meldeten Birgit Wolff, selbstständige Berufsbetreuerin aus Schmidtheim, und Rita Wieland-Ecker, pensionierte Justizbeamtin aus Gemünd, Interesse an der Mitarbeit im Aufsichtsrat der GenoEifel an. Beide wurden einstimmig gewählt, der Aufsichtsrat, dem als Vorsitzender Wolfgang Merten, Claudia Weishaupt als dessen Stellvertreterin sowie Hans Reiff angehören, ist damit auf Maximalgröße angewachsen.
Das Interesse an der Mitarbeit demonstriert eindrucksvoll, wie die GenoEifel funktioniert und wie die Mitglieder „ticken“. Es geht ihnen ums Helfen, um die Unterstützung von Menschen, die Hilfe nötig haben. Und auch mit Wachstum kennt sich die Generationengenossenschaft aus. Denn bislang verzeichnet die GenoEifel nur Beitritte, ausgetreten ist in den zwei Jahren des Bestehens noch niemand. Mittlerweile beträgt die Mitgliederzahl 183, Tendenz stetig steigend.
Dass die GenoEifel nicht nur bei Privatpersonen, sondern auch in Verwaltungen ankommt, zeigt sich durch die Beitritte zahlreicher Kommunen. Aktuell hat der Kreis Euskirchen Interesse bekundet, Mitglied zu werden. Am 28. Juni gibt es einen offiziellen Startschuss in Mechernich. „Und dann wollen wir auch noch in den Bereich der Leader-Region außerhalb des Kreises Euskirchen, also nach Monschau/Simmerath/Roetgen sowie Heimbach/Nideggen/Hürtgenwald“, kündigte Malte Duisberg an. Anfragen aus Euskirchen oder Zülpich, die es immer wieder gibt, müssen abgelehnt werden, weil es sich um eine andere Leader-Region handelt. „Aber auch da sind wir in Gesprächen“, verkündet Duisberg.
„Lernende Genossenschaft“
Weil die GenoEifel eine „lernende Genossenschaft“ ist, wie Duisberg es ausdrückt, dreht sie auch permanent an den Stellschrauben. Dazu gehört, dass die Mitglieder eigene Themen und Arbeitsfelder einbringen. „Keine Idee ist kurios oder ungewöhnlich! Bringen Sie sie ein, und wir gucken, was wir daraus machen.“
Die Generationengenossenschaft hat neben der räumlichen Ausdehnung aus dem südlichen Kreis Euskirchen heraus noch weitere Ziele. Am 19. Juli werden Helfer zum Thema „Nähe und Distanz“ geschult, schon gut zwei Wochen vorher, am 2. Juli, ist die GenoEifel Thema in der Sendung „Gast mit Geschichte“ beim WDR Köln. Die Genossenschaft, die bisher größtenteils auf die Hilfe für ältere Leute beschränkt war, will sich auch für junge Familien öffnen und geschulte Babysitterinnen oder Leih-Großeltern anbieten. Und die Älteren sollen über die GenoEifel jungen Menschen Einblicke in Berufe geben, Kontakte bereiten. „Viele unserer Mitglieder bringen schließlich 30 bis 40 Jahre Arbeitserfahrung mit“, meinte Claudia Weishaupt.
Ein wichtiges nächstes Ziel ist der Aufbau eines bereits gegründeten Hilfsfonds‘, damit auch finanziell nicht so gut gestellte Menschen die GenoEifel nutzen können. Momentan werden Kriterien definiert, wie Personen unterstützt werden können. Außerdem wird über die Gründung eines Beirats nachgedacht, der aus Interessenvertretern besteht. Nach dem Hauptbüro im Kaller Rathaus und der Mitnutzung des Beratungsbüros in Nettersheim wird die GenoEifel in der Ahrstraße in Blankenheim ein Büro der Gemeinde mitverwenden. Die GenoEifel breitet sich weiter aus und damit wird auch das überaus sinnvolle Netzwerk aus Helfern und Hilfesuchenden immer größer.
pp/Agentur ProfiPress


Rita Wieland-Ecker (vorne l.) und Birgit Wolff (vorne r.) komplettieren den Aufsichtsrat der GenoEifel eG. Mit im Bild (v.l.) die Aufsichtsratsmitglieder Hans Reiff und Claudia Weishaupt sowie die Vorstände Karl Vermöhlen und Malte Duisberg. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Überwiegend einstimmige Entscheidungen fällten die fast 50 anwesenden Genossenschaftsmitglieder bei der Generalversammlung der GenoEifel eG. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Vorstand Malte Duisberg (v.l.), die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Claudia Weishaupt und Corinne Rasky stellten den Genossen verschiedene Berichte vor. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Claudia Weishaupt präsentierte den knapp 50 anwesenden Genossen den Geschäftsbericht für das Jahr 2017. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Auch Geselligkeit spielt bei der GenoEifel eine große Rolle. Deshalb wurde ein geplanter Vortrag gegen einen Plausch bei Kaffee und Kuchen ausgetauscht. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Alleinstellungsmerkmal für die Region

Generalversammlung der Dienstleistungsgenossenschaft Eifel bei Papstar – Projekt „Gesunde Region“ wird mit 726.000 Euro gefördert – Mitgliederzahl soll deutlich steigen
Kall/Eifel – Neue Projekte, große Ziele und Personalwechsel: Es hat sich in den vergangenen Monaten in der Dienstleistungsgenossenschaft (DLG) Eifel viel getan. Das wurde bei der zweiten Generalversammlung der Genossenschaft in der Papstar-Zentrale in Kall deutlich.
Genauso klar ist auch der Auftrag der Dienstleistungsgenossenschaft: Es geht darum, den Unternehmen einer kompletten Region, die nicht nur auf den Kreis Euskirchen beschränkt ist, Leistungen vom Betriebsarzt bis zur Krankenzusatzversicherung anzubieten, die sich sonst nur große Konzerne leisten können. „Wir sind Unternehmensberatung und Einkäufer“, erklärt Vorstand Thomas Artmann.
„Gesunde Region“ heißt passenderweise auch gleich das erste Projekt, für dessen Umsetzung die DLG Eifel mit Unterstützung der VR-Bank Nordeifel in den vergangenen Monaten hart gekämpft hat. Mittlerweile sind alle Auflagen des Bundesarbeitsministeriums für das Projekt erfüllt, das mit 726.000 Euro bis Dezember 2020 gefördert wird. Die Projektleitung hat die Diplom-Ingenieurin Agnes Voerste aus Zülpich inne, dem Projektteam gehören Dr. Katharina Hoß, Michael Romeis und Mona Lohr an.
Ziel von „Gesunde Region“ ist die Erstellung eines datengestützten Gesundheitsmanagements inklusive einer Gesundheitsbefragung, ein moderierter Steuerkreis Gesundheit, der Zugang zu geförderten Gesundheitsmanagement- und Gesundheitsförderangeboten, Angebote für Auszubildende sowie Gesundheitsaktionswochen.
Projektmitarbeiter kommen in die Unternehmen und machen eine Bestands- und Bedarfsanalyse. Mit „Gesunde Region“ sollen ab Juli auch Workshops angeboten werden.
Vieles geleistet, vieles geplant
Im Jahresbericht des Vorstandes listete er auch das bisher Geleistete auf: Man habe einen Angebotskatalog entwickelt, der in Zukunft zur vierteljährlichen Mitgliederzeitung ausgedehnt werden soll. Mit dem DLG-Mitglied Papstar wurde vereinbart, einen Staplerführerschein anzubieten, der natürlich unter dem gängigen Preis lag. Ein Info-Abend zur Datenschutzgrundverordnung wurde ebenfalls angeboten wie die Gesundheitstage beim DLG-Mitglied Sportwelt Schäfer in Bad Münstereifel. Die Genossenschaft kann diese Angebote weitaus günstiger anbieten, als auf dem „freien Markt“ üblich, denn das ist ja eines ihrer Ziele: Unternehmen der Region werden gebündelt, um ihnen etwas anzubieten, was sie sich alleine nur schwer leisten können.
Zahlreiche Projekte werden außerdem derzeit erarbeitet. So soll es auf Initiative der Stadt Mechernich Kurzworkshops geben zum Thema „Gesunde Ernährung“, es soll für Führungskräfte eine „Werkzeugkiste“ mit Tipps, Infobroschüren und regionalen Gesundheits- und Hilfsangeboten entwickelt werden, das regionale Gesundheitsportal Chilp wird es demnächst als App geben, auch die Platzierung von Stellenanzeigenkontingenten in Zeitungen und Internetportalen wird derzeit geprüft. Verhandlungen mit einem Betriebsarzt laufen ebenso wie mit einer Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Vorstand Joachim Hees stellte außerdem eine betriebliche Krankenzusatzversicherung im Rahmentarif vor, die sein Unternehmen Papstar den Mitarbeitern anbietet. So ermöglicht Papstar seinen Angestellten im bestimmten Rahmen Vorsorge-Checkups und bietet außerdem günstig eine privatärztlich-ambulante Aufstockung der gesetzlichen Krankenversicherung an. „Gesetzlich versicherte erhalten so einen Privatversichertenstatus“, erklärt Artmann. Auch einen Baustein für Klinikaufenthalte beinhaltet diese Versicherung.
7500 Mitarbeiter sollen erreicht werden
51 Betriebe und Firmen mit insgesamt 4150 Mitarbeitern haben sich der DLG Eifel bereits angeschlossen. „Damit ist der Break-Even-Point erreicht, wir können kostendeckend arbeiten“, berichtete Vorstand Joachim Hees, der aber gleich ein großes Ziel verkündete: Die DLG Eifel will, dass sich ihr noch deutlich mehr Mitgliedsunternehmen anschließen. Hees‘ Wunsch ist die Unterstützung von insgesamt 7500 Mitarbeitern.. Denn nur wenn die DLG genug Aufträge hat, kann sie existieren.
Dazu ist aber auch nötig, dass die Dienstleistungsgenossenschaft in aller Munde ist. „Der Mehrwert für die Mitarbeiter wird noch nicht erkannt, deshalb begeben wir uns demnächst auf Roadshow durch die Firmen“, kündigt Thomas Artmann an. Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Klöcker gibt unumwunden zu: „Wir Arbeitgeber müssen uns an die eigene Nase fassen, denn wir müssen die DLG in den Unternehmen bekannter machen.“
Großes Lob gab es von Aufsichtsratsmitglied Bernd Becker. Er gab den Anwesenden – ein Großteil der Mitgliedsunternehmen war bei Papstar erschienen – zum Schluss mit auf den Weg: „Die Dienstleistungsgenossenschaft ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Region.“
Personell hat sich seit dem Start vor zwei Jahren viel getan. Doris Ley und Julia Klinkhammer sind aus dem Vorstand ausgeschieden und wurden durch Thomas Artmann, Thomas Hambach und Joachim Hees ersetzt. Komplettiert wird der Vorstand durch Gründungsmitglied Gisela Caspers. Im Aufsichtsrat rückte für Bernd Altgen Wolfgang Merten als Vorsitzender nach. Der dann noch aus Rolf Klöcker und Franz-Peter Schäfer bestehende Aufsichtsrat wurde um Bernd Becker und Bert Kantelberg erweitert. Zu finden ist die Dienstleistungsgenossenschaft in Kürze im eigenen Büro in Schleiden, Am Markt 35 (direkt neben der VR-Bank).
pp/Agentur ProfiPress

Der Schleidener Realschullehrerin Lydia Thomson gab die Dienstleistungsgenossenschaft unter dem Punkt „Verschiedenes“ die Möglichkeit, Werbung für ein Projekt zu machen, für das die Schule noch Unternehmen in der Region sucht. Für ihr Exzellenzprogramm „Young Professionals Academy“ ist die Schule an Partnerschaften interessiert: Zehn Prozent der Schüler der Jahrgangsstufe 9 sollen in einem Unternehmen an diversen Handwerks-Praktika teilnehmen: im ersten Halbjahr eine Woche, im zweiten drei Wochen. Für die Teilnahme gibt es für die Schüler eine Zeugnisbemerkung und ein Zertifikat. Damit will die Schule die Lust bei Schülern wecken, nach der zehnten Klasse direkt in eine Ausbildung in einem Handwerksberuf zu gehen. (pp)


Führten durch die zweite Generalversammlung der DLG Eifel: (v.l.) Vize-Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Klöcker sowie die Vorstände Thomas Artmann und Joachim Hees. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Die rund 30 anwesenden Mitglieder der Dienstleistungsgenossenschaft fällten alle Entscheidungen einstimmig. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Vorstand und Aufsichtsrat der Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG (v.l.): Thomas Artmann, Bernd Becker, Rolf Klöcker, Joachim Hees, Thomas Hambach, Franz-Peter Schäfer, Hubertus Kantelberg und Gisela Caspers. Es fehlt Wolfgang Merten. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Die Schleidener Realschul-Lehrerin Lydia Thomson warb bei Unternehmen darum, dass sie sich der „Young Professionals Academy“ der Schule anschließen, damit Neuntklässler bei ihnen Praktika absolvieren können. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Unternehmer gestalten Zukunft gemeinsam

Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG gegründet – 52 Unternehmen mit 4200 Mitarbeitern bereits Mitglied – Bereits während der Gründungsphase ausgezeichnet
Kreis Euskirchen/Schleiden – In der Nordeifel haben sich getreu dem genossenschaftlichen Grundprinzip „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“ 52 Unternehmen unterschiedlicher Branchen zusammengeschlossen und gemeinsam eine Dienstleistungsgenossenschaft gegründet. Ziel ist es, für die Mitglieder Leistungen aus den Bereichen Personalführung, Chancengleichheit, Gesundheit, Digitalisierung, Wissen und Kompetenz zu entwickeln, bereitzustellen oder einzukaufen.
Initiator war die VR-Bank Nordeifel eG, die als Genossenschaft die nötige Expertise zur Gründung mitgebracht hat. Die Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG soll ihre Mitglieder wirtschaftlich und sozial fördern und damit die Infrastruktur der Region und die Region selbst nach vorne bringen. Bereits Ende 2016, die Eifel DLG befand sich da noch in Gründung, erhielt sie den Demografie Exzellenz Award in der Kategorie „Arbeiten und glücklich leben“. Mit diesem Preis wollen die Vereine Demografie Exzellenz und Demographie Netzwerk Leuchtturmprojekte bekannt machen.
Im gleichberechtigten Vorstand der Genossenschaft befinden sich Thomas Artmann (Eudemos), Gisela Caspers (VR-Bank Nordeifel eG), Thomas Hambach (Eifel-Therme Zikkurat) sowie Joachim Hees (Papstar). Über den Vorstand wacht der fünfköpfige Aufsichtsrat, bestehend aus dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Merten (VR-Bank Nordeifel), dessen Stellvertreter Rolf Klöcker (DRK-Kreisverband Euskirchen) sowie Bernd Becker (PE Becker), Hubertus Kantelberg (CL Rick Produktionsgesellschaft) und Franz-Peter Schäfer (Sportwelt Schäfer).
Mit bisher 52 teilnehmenden Unternehmen können mehr als 4.200 Mitarbeiter auf die Leistungen der Dienstleistungsgesellschaft zugreifen. So sollen Know-how und Nachfrage gebündelt werden, Firmen sollen Ideen und Erfahrungen austauschen oder eben über die Genossenschaft Leistungen von außen einkaufen – natürlich zu möglichst guten Konditionen für alle. „Wir sind eben auch eine Einkaufsgenossenschaft“, sagte Thomas Artmann. Diese Leistungen beziehen sich auf die Nicht-Kern-Dienstleistungen der Unternehmen, etwa in den Bereichen Personal, IT oder Datenschutz.
Mitarbeiter der Unternehmen erhalten einen Mitgliedsausweis. Dieser gilt als Berechtigungsnachweis für Leistungen und Vergünstigungen, die DLG-Mitglieder bei Partnerunternehmen beziehen können. Anmelden können sich die Mitarbeiter beim Gesundheitsportal Chilp, wo es Informationen zu Gesundheitsthemen, eine Ärztesuche, den Zugang zur Familiengenossenschaft und aktuelle Angebote und Neuigkeiten der Dienstleistungsgenossenschaft gibt.
Kooperation mit Familiengenossenschaft
Ein Großteil der beteiligten Unternehmen war schon über die Familiengenossenschaft Nordeifel-Euskirchen miteinander verbunden. Die Dienstleistungsgenossenschaft hat das Angebot der Familiengenossenschaft nun im Bereich „Chancengleichheit und Diversity“ in ihr Konzept aufgenommen und eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen.
So haben die Mitglieder weiterhin Zugriff auf die Online-Leistungen der Familiengenossenschaft und auf die telefonische Beratung. Für alle Fragen rund um Kinderbetreuung und Pflege werden sie aber jetzt direkt an die Anbieter aus der Region weitergeleitet: an das Rote Kreuz im Kreis Euskirchen (Kinderbetreuung) und an die Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd (EvA). „Das ist unser Antrieb, vor allem regionale Anbieter einzubinden“, erklärte Gisela Caspers. „Wir wollen die Unternehmen im Kreis Euskirchen stärken“, ergänzt Franz-Peter Schäfer.
Für die Säule „Gesundheit“ kooperiert die Eifel DLG mit dem Beratungs- und Trainingsunternehmen Eudemos aus Königswinter, das sich auf betriebliches Gesundheitsmanagement spezialisiert hat. Ziel sei es, so Geschäftsführer Thomas Artmann, das Gesundheitswissen der Mitarbeiter zu erhöhen, um sie sensibler für den eigenen Körper zu machen, denn: „Krankheiten fallen nicht vom Himmel, das ist ein Entwicklungsprozess.“
Mit „Eudemos“ könnten alle Mitglieder der Dienstleistungsgenossenschaft verschiedene Leistungen des Unternehmens in Anspruch nehmen. Dazu kann zum Beispiel die Betreuung im Krankheitsfall zur Verhinderung von Langzeiterkrankungen gehören, aber auch der Zugriff auf Lernfilme zur Gesundheitsvorsorge oder die Organisation von regionalen Kursangeboten. Ziel ist es, den Krankenstand in den beteiligten Unternehmen zu senken – ganz nach dem Motto: „Gesunde Mitarbeiter in gesunden Unternehmen in einer gesunden Region Nordeifel“.
Die fünf Bereiche, in denen die Dienstleistungsgenossenschaft tätig ist, entsprechen den vier INQA-Säulen plus den Aspekt Digitalisierung. Die Abkürzung INQA steht für „Initiative Neue Qualität der Arbeit“, ein Projekt, für das die VR-Bank als eines von zehn Pionierunternehmen bundesweit im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums federführend Kriterien für „Unternehmen der Zukunft“ entwickelt. Neben der VR-Bank Nordeifel haben auch die Eifel-DLG-Mitglieder Rotes Kreuz, Stadt Mechernich, Papstar und der Rewe Koch in Adenau das Zertifikat des INQA-Audits „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ erworben.
Weitere Informationen zur Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG gibt es auf der Homepage www.dlg-eifel.de. Im Mai öffnet außerdem die Geschäftsstelle der Dienstleistungsgenossenschaft in Schleiden, Am Markt 35. Die Öffnungszeiten werden auf der Homepage bekanntgegeben.
pp/Agentur ProfiPress


Vorstand und Aufsichtsrat der Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG eG (v.l.) vor der Geschäftsstelle in Schleiden: Joachim Hees, Rolf Klöcker, Hubertus Kantelberg, Thomas Artmann, Gisela Caspers, Thomas Hambach und Franz-Peter Schäfer. Es fehlen Bernd Becker und Wolfgang Merten. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Unternehmen halfen der GenoEifel

Die Generationengenossenschaft war eine von 16 Organisationen und Einrichtungen, die von Unternehmen beim Wirtschaftsaktionstag des Kreises Euskirchen unterstützt wurden
Kall-Keldenich/Schleiden-Bronsfeld – Im Kreis Euskirchen fand zum zweiten Mal der Aktionstag der Wirtschaft statt. 29 Unternehmen unterstützen 25 Projekte in 16 Einrichtungen oder Organisationen. Einer dieser Organisationen, denen geholfen wurde, war die GenoEifel eG – die Generationengenossenschaft.
Gleich mehrere Unternehmen hatten dem im vergangenen Jahr gegründeten Hilfe-Helfer-Netzwerk angeboten, es zu unterstützen. So war die Firma Papstar, genauer gesagt Claus Mielich aus dem Gebäudemanagement des Unternehmens, den ganzen Tag im Garten von Marion Neumann in Keldenich beschäftigt. Den Rasen hatte er schon früh gemäht und die Ränder fein säuberlich freigeschnitten.
„Jetzt gleich habe ich aber noch eine schwere Aufgabe für Sie: Der Wacholder drückt gegen den Zaun, können Sie da was machen?“, fragte Neumann. Für Mielich kein Problem, denn der Einsatz, für den ihn Papstar für einen Tag freistellte, war eine Rückkehr in seine eigene Vergangenheit: „In meinem ersten Leben habe ich Gärtner gelernt.“
Papstar hat Marion Neumann aber noch mehr geholfen: Damit der Grasschnitt die Witwe nicht belastet, hat das Unternehmen Biotonnen für den Einsatz gestellt. Vor drei Jahren ist Marion Neumanns Ehemann gestorben, seitdem wächst ihr die Arbeit im Garten über den Kopf. Mit diesem Problem hat sie sich an die Generationengenossenschaft gewandt: „Es ist gut, dass es die GenoEifel gibt.“
Zum gleichen Schluss kommt auch Maria Menzenbach. Die 92-Jährige aus Bronsfeld spielt für ihr Leben gerne Gesellschaftsspiele. Doch ihr fehlt es an Spielpartnern, ihr Mann ist vor 17 Jahren gestorben. „Die Enkel und Urenkel spielen, wenn sie zu Besuch sind, mit mir und fragen immer: Oma, hast du etwas Neues?“
Die sowohl geistig als auch körperliche topfitte Seniorin freute sich beim Aktionstag der Wirtschaft des Kreises Euskirchen auf den Besuch von Damian Meiswinkel, Manager des Projekts „Wanderwelt der Zukunft“ bei der Nordeifel Tourismus GmbH. Die beiden spielten unter anderem das Anlegespiel „Triominos Deluxe“. Auch „Wort & Fort“ hatte Menzenbach bereit gelegt. Mit ihrem Mann hat sie immer gerne „Scrabble“ gespielt, wie sie berichtet.
Mitglied der GenoEifel ist sie seit Anfang des Jahres. „Die Papiere hatte ich mir bereits im Herbst vergangenen Jahres geholt“, berichtete Menzenbach.
Auch weitere Einsätze für die GenoEifel gab es, etwa eine Einkaufsbegleitung und ein Gesellschaftleisten in Schleiden, Gesellschaftsspiele spielen in Kall, Hilfe im Umgang mit dem Handy in Dreiborn, Hilfe im Umgang mit dem PC in Olef und Wechsel von Glühbirnen und Festschrauben von Lampengläsern in Scheven.
pp/Agentur ProfiPress

Damian Meiswinkel von der Nordeifel Tourismus GmbH spielte in Bronsfeld mit Maria Menzenbach Gesellschaftsspiele. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Claus Mielich, Mitarbeiter bei Papstar, kümmerte sich um den Garten von Marion Neumann in Keldenich. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Die GenoEifel stellte sich vor

Derzeit rund 140 Mitglieder im Südkreis – Weitere Helfer und Unterstützer werden gesucht – Spendenaktion im Möbelhaus Brucker – Die Landfrauen ließen die Waffeleisen glühen

Kall – Es ist seit einigen Jahren Tradition, dass das Kaller Möbelhaus Brucker soziale Einrichtungen in der Region unterstützt. Dies geschieht nicht nur durch eigene Spenden des Familienunternehmens an die Eifeler Hilfsorganisationen. Aktionen wie zum Beispiel das besonders beliebte „Waffeln backen für den guten Zweck“ finden mehrmals jährlich im Haupthaus des Unternehmens an der Hüttenstraße statt.
Nutznießer war in der Vergangenheit mehrmals die Hilfsgruppe Eifel. Auch eine Kaller Jugendeinrichtung profitierte schon vom Waffeln-Backen im Möbelhaus. Im März, während der Hausmesse bei Brucker, werden an drei Samstagen für die Euskirchener Initiative „Stark für Kinder“ die Waffeleisen glühen.
Jüngst war die „GenoEifel eG – die Generationengenossenschaft“ – eine generationenübergreifende Selbsthilfe-Gemeinschaft – im Möbelhaus zu Gast, um ihre Arbeit zu präsentieren. Mit dabei waren auch die Landfrauen des Kreisverbandes Euskirchen, die die Möbelhaus-Besucher gegen Spenden mit frischen Waffeln und Kaffee verwöhnten.
Im Foyer des Haupthauses waren vier Landfrauen von 11 bis 16 Uhr mit Waffelbacken und Kaffeekochen beschäftigt. Das Rezept für die Herstellung des Waffelteiges wollte Doris Felser, die Vorsitzende des Landfrauen-Bezirks Kall/Schleiden, jedoch nicht verraten. Es sei anlässlich der Zülpicher Landesgartenschau kreiert worden, wo die Landfrauen damals wochenlang Waffeln gebacken hatten.
Corinne Rasky, Koordinatorin der GenoEifel, und deren Kollegin Johanna Mertens standen den Möbelhausbesuchern Rede und Antwort. In vielen Gesprächen erläuterten sie den Zweck und die Ziele der Generations-Genossenschaft, in der sich Menschen mit gleichen Interessen zusammengeschlossen haben, um sich gegenseitig zu helfen.
„Als noch relativ neue Organisation sind wir immer auf der Suche nach weiteren Mitgliedern und Helfern“, berichtete Corinne Rasky. Derzeit habe die GenoEifel im Südkreis Euskirchen rund 140 Mitglieder aller Altersklassen, von denen sich etwa 60 ehrenamtlich engagierten. „Ältere Helferinnen stellen sich als „Leih-Omas“ und jüngere als Babysitter zur Verfügung“, nannte Corinne Rasky einige Beispiele.
Eine Präsentation in Verbindung mit einer Waffelaktion, wie jetzt im Möbelhaus Brucker, sei eine Premiere für die noch junge Genossenschaft. Deshalb sei man froh über die Mithilfe der Landfrauen beim Spenden-Sammeln. Dankbar sei man auch der Familie Brucker, die diese Aktion ermöglicht habe. Um in Kall weitere Menschen für eine Mitgliedschaft in der GenoEifel zu begeistern, finde am Dienstag, 8. Mai, im Saal Gier eine Präsentation der Genossenschaft statt.
pp/Agentur ProfiPress

Landfrauen des Kreisverbandes Euskirchen unterstützten die Spendenaktion mit Waffelbacken. Von links: Gertrud Sieberath, Helene Niebes, Doris Felser und Gabi Mauel. Im Hintergrund Johanna Mertens (links) und Koordinatorin Corinne Rasky von der GenoEifel. Foto: Reiner Züll/pp/Agentur ProfiPress

Landfrau Gertrud Sieberath ließ im Möbelhaus Brucker das Waffeleisen glühen. Foto: Reiner Züll/pp/Agentur ProfiPress

Die Vorsitzende des Landfrauen-Bezirks Kall/Schleiden, Doris Velser, sorgte für Kaffee-Nachschub. Foto: Reiner Züll/pp/Agentur ProfiPress

GenoEifel erweitert Angebotspalette

Marie-Luise Contemprée aus Urfey und Karl-Heinz Pepping aus Nierfeld sind zwar Rentner, zum alten Eisen gehören sie aber deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil: Sie beide wollen sich beschäftigen. Da kam ihnen die Idee der GenoEifel eG – Die Generationengenossenschaft gerade recht. Beide engagieren sich als Helfer in der im April gegründeten Genossenschaft. Die ersten Einsätze haben sie auch schon hinter sich gebracht – und zwar bei Helga Stein in Schleiden und Gerda Adleff in Dreiborn.
„Ich war schon bei der Gründungssitzung in Gemünd dabei“, berichtete die 93-jährige Adleff. Ihre Tochter habe sie schließlich überzeugt, der Genossenschaft beizutreten. Und tatsächlich folgte bald auch schon das erste Problem. An einem Sonntagmorgen musste sie von Dreiborn nach Mechernich gebracht werden, weil von dort aus eine Reise nach Borkum startete. „Du hast doch die Genossenschaft, da rufe ich mal an“, dachte Adleff, wie sie jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz erzählte, in der die GenoEifel eine Zwischenbilanz präsentierte. Johanna Mertens, eine der Koordinatorinnen im festen Büro im Kaller Rathaus, vermittelte ihr Marie-Luise Contemprée. „Sie hat mich nicht nur pünktlich abgeholt. Sie ist auch noch geblieben, bis der Bus kam, damit ich nicht alleine warten musste“, lobte Gerda Adleff.
Ähnlich erging es Helga Stein. Seit dem Tod ihres Mannes ist sie mit ihrem großen Haus und dem Garten überfordert. „Da hat sich einiges angesammelt.“ Die GenoEifel vermittelte ihr Karl-Heinz Pepping, der sich als wahres Allround-Talent herausstellte und sowohl im Garten für Ordnung sorgte, als auch – in einem zweiten Termin – den tropfenden Wasserhahn reparierte, eine Lampe anbrachte und ihr sogar das Handy-Programm WhatsApp installierte und erklärte. „Seitdem habe ich wieder viel mehr Kontakt zu meiner Familie“, freute sich Stein.
Diese Beispiele sind der Beweis dafür, dass die GenoEifel eG – Die Generationengenossenschaft funktioniert, Vorstand und Aufsichtsrat zeigen sich äußerst zufrieden. Die Auftaktveranstaltung im Gemünder Kurhaus Ende Mai war furios. Der kleine Kursaal platzte bei der Vorstellung aus allen Nähten. Der Andrang auf die Beitrittserklärungen war ebenfalls enorm. Und tatsächlich: Die im April gegründete GenoEifel eG hat mittlerweile fast 100 Mitglieder. „Damit ist das Ziel, das wir uns für dieses Jahr gesetzt haben, beinahe erreicht“, freute sich Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Merten und ergänzte: „Wir haben sogar das erste jugendliche Mitglied.“ Vorstandssprecher Malte Duisberg legt auf junge Unterstützer viel Wert: „Bei Schulungen wollen wir gucken, ob wir junge Leute gewinnen können.“
Trotz des erfolgreichen Starts gab es Bedenken. „Wir sind schon mit der Sorge gestartet, dass sich wenig Helfer, aber viele Hilfesuchende melden“, berichtete Merten. Doch diese Sorgen waren unberechtigt, denn auf die Eifeler ist Verlass. Man hilft sich wo man kann. Die Anzahl der Mitglieder teilt sich ungefähr zu je einem Drittel in Helfer, Hilfesuchende und Förderer auf, also Menschen, die der GenoEifel eG momentan nur mit ihrem Mitgliedsbeitrag unter die Arme greifen. „Viele von ihnen haben gesagt, dass Sie momentan noch keine Hilfe benötigen, das Konzept aber so toll finden, dass sie uns jetzt schon unterstützen möchten“, erzählte Koordinatorin Corinne Rasky. So ähnlich hält es auch Marie-Luise Contemprée. „Ich benötige derzeit keine Hilfe. Ich bin der GenoEifel aber beigetreten, weil sie eine Anlaufstelle ist, falls ich mal Hilfe brauche.“ Und so lange hilft die Urfeyerin eben anderen.

Nach der Auftaktveranstaltung zog die Generationengenossenschaft buchstäblich über die Dörfer. In Schmidtheim, Sistig, Scheven, Freilingen und Wolfert stellte sich die GenoEifel den interessierten Bürgern vor und beeindruckte mit ihrem Konzept so sehr, dass sich umgehend Kümmerer fanden, also ehrenamtliche Ansprechpartner vor Ort. Weitere Termine im Herbst sind geplant, nämlich am Donnerstag, 5. Oktober, im Dollendorfer „Gürzenich“, am Dienstag, 7. November, im Vereinshaus Dahlem sowie am Donnerstag, 16. November, im Olefer Pfarrsaal. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr. Geplant sind außerdem Veranstaltungen in Hellenthal und Kall, sie sind aber noch nicht terminiert.
Bei diesen Informationsveranstaltungen äußerten die Besucher ihre Sorgen und Nöte. „Dabei stellte sich heraus, dass wir bestimmte Felder bislang überhaupt nicht im Blick hatten“, erzählte Rasky. Wolfgang Merten ergänzte: „Bei diesen Veranstaltung zeigt sich das tatsächliche Leben der Eifeler und was sie wirklich benötigen.“
Deshalb hat die GenoEifel eG ihre Angebotspalette ausgebaut und bietet nun Hilfen an Computer und Smartphone, kleinere Näharbeiten, Hundesitting oder Mitfahrgelegenheiten an. Einige Mitglieder haben angeboten, als Leihomas eingesetzt werden zu wollen.
Auch Besuchsdienste sind ein Thema, denn einige Mitglieder haben sich gemeldet und dazu bereiterklärt, Menschen, die einsam sind, zu besuchen, ein Schwätzchen zu halten, füreinander da zu sein. „Gerade jetzt, zu Beginn der dunklen Jahreszeit, ist das ein wichtiges Thema, um die trüben Gedanken einsamer Menschen – egal ob alt oder jung – zu vertreiben“, erklärte Duisberg. Das entspricht auch dem Grundgedanken der GenoEifel eG. Es geht darum, sich gegenseitig im Alltag zu unterstützen, sich mit Menschen mit gleichen Interessen zusammenzuschließen, Dienste anzubieten und Dienste in Anspruch zu nehmen. Besonders einsame ältere Menschen sollen sich nicht scheuen, sich bei der GenoEifel zu melden, so Duisberg.
Mittlerweile haben Corinne Rasky und ihre Kolleginnen Johanna Mertens und Marita Manderfeld auch ein festes Büro im zweiten Stock des Kaller Rathauses bezogen, das montags und mittwochs von 10 bis 12 und donnerstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet ist und barrierefrei zugänglich ist. Erreichbar ist die GenoEifel eG – Die Generationengenossenschaft aber natürlich auch telefonisch (02441/88861, bitte außerhalb der Öffnungszeiten auf den Anrufbeantworter sprechen) und per E-Mail (info@GenoEifel.de).
Wer Interesse an einer Mitgliedschaft bei der GenoEifel hat, findet Beitrittserklärungen in jeder Filiale der VR-Bank Nordeifel eG und auf der Internetseite www.genoeifel.de/files/GenoEifel/Beitrittserklärung.pdf. Eine Änderung betrifft den Mitgliedsbeitrag. Sind mehrere Personen aus einem Haushalt Mitglied der Generationengenossenschaft, gilt der neu geschaffene Haushalts-Jahresbeitrag von 40 Euro. „Wir fanden es unfair, dass Eheleute, die beide Mitglied sind, jeweils 40 Euro zahlen müssen“, erklärt Merten diese Änderung. Mitglied werden kann man ab 14 Jahren, bis zum Alter von 21 Jahren ist der vergünstigte Jahresbeitrag von zwölf Euro fällig.

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Gewaltiger Andrang bei der Auftaktveranstaltung zur Generationengenossenschaft GenoEifel eG im Gemünder Kurhaus – Vorstand, Aufsichtsrats und Koordinatorin stellten Konzept vor

Schleiden-Gemünd/Eifel – Wolfgang Merten war „überwältigt vom Andrang“, Malte Duisberg „sehr froh, dass Sie so zahlreich erschienen sind“. Tatsache ist: Wenn noch ein paar Leute mehr gekommen wären, hätte die Auftaktveranstaltung der Generationengenossenschaft GenoEifel eG in eine andere Lokalität verlegt werden müssen. Denn der kleine Kursaal im Gemünder Kurhaus platzte buchstäblich aus allen Nähten, der große Kursaal wäre zur Not frei gewesen. Die fleißigen Helfer der VR-Bank Nordeifel eG schafften von dort noch eilig Stühle herbei, dennoch mussten einige der rund 160 Besucher stehen. Auch die ausgelegten 100 Beitrittserklärungen waren flugs vergriffen.

Das Interesse an diesem im Kreis Euskirchen und der Eifel einmaligen Konzept war und ist gewaltig. Es geht vereinfacht gesagt darum, dass Menschen anderen, meist älteren Menschen in alltäglichen Situationen helfen – bei der Gartenarbeit, der Hausarbeit oder sich einfach mal eine Stunde pro Woche Zeit nehmen. „Die Grundidee zur Generationengenossenschaft, die damals noch eine Seniorengenossenschaft werden sollte, hat unser Vorstandsvorsitzender Bernd Altgen von einem Seminar in Baden-Württemberg mitgebracht“, berichtete VR-Bank-Nordeifel-Vorstand Wolfgang Merten, gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzender der GenoEifel eG.

Unterstützt wird die Generationengenossenschaft mit Leader-Mitteln. 118.000 Euro fließen aus diesem EU-Maßnahmenprogramm bis 2022 an die GenoEifel, hinzu kommen 63.000 Euro von Dritten, darunter auch von der VR-Bank Nordeifel eG sowie deren Stiftung, der Dr.-Axe-Stiftung aus Bonn, der Stiftung Evangelisches Altenheim Gemünd und der Heinen-L’homme-Weishaupt und Partner Steuerberater Partnerschaft mbB. Mitglieder der Generationengenossenschaft erwerben außerdem für 50 Euro einen Geschäftsanteil, pro Jahr werden außerdem 40 Euro Mitgliedsbeitrag fällig.

Dieses Geld wird nicht nur zum Aufbau der GenoEifel eG benötigt, sondern auch um die Gehälter der beiden festen Mitarbeiterinnen Corinne Rasky und Marita Manderfeld zu bezahlen, die derzeit ein Büro im Kaller Rathaus bezogen haben und im Jahr 2019 ins „Haus der Begegnung“ umziehen sollen, das neben dem Rathaus entsteht. Übrigens: Wer sich die Beiträge nicht leisten kann, soll in Zukunft von einem noch einzurichtenden Hilfsfonds partizipieren.

Doch warum ist eine Generationengenossenschaft überhaupt nötig? „Es gibt im Gegensatz zu früher keine Mehrgenerationenhaushalte mehr“, erklärte Vorstandssprecher Malte Duisberg. Heute würden Eltern bei ihren Kindern nach dem Prinzip verfahren „Lerne war, leiste was, geh‘ hinaus in die Welt und werde was“. Zwar gebe es schon das Netzwerk an Urft und Olef, Koordinatorin ist wie bei der GenoEifel Corinne Rasky, doch das beschränke sich auf Freizeitaktivitäten.

Leistungsempfänger und Leistungsgeber

„Bei uns geht es um gegenseitige Hilfestellungen, wir wollen Menschen zusammenbringen, die Bedarf haben“, erklärt Duisberg. Unterschieden wird bei der Generationengenossenschaft zwischen Leistungsempfänger und Leistungsgeber. Damit das Konzept funktioniert, werden beide Seiten benötigt.

Neun Euro Stundenlohn zahlen die Leistungsempfänger auf ein Konto ein. Drei Euro davon gehen an die GenoEifel eG. „Nach der Förderung muss sich die Genossenschaft selbst tragen“, erklärt Wolfgang Merten. Die restlichen sechs Euro erhalten die Leistungsgeber, die sich das Geld auch auf einem Zeitkonto gutschreiben lassen können, das Geld also „parken“ und später, wenn sie Hilfe benötigen, wieder abrufen. Als Vermittler dienen Corinne Rasky und Marita Manderfeld. Die werden beide Seiten auch interviewen, damit der Leistungsgeber genau weiß, was auf ihn zukommt. Wichtig auch: Weil es sich bei der GenoEifel um eine gemeinnützige Genossenschaft handelt, ist der Leistungsgeber auch über die Berufsgenossenschaft versichert.

Doch was für Arbeiten sind überhaupt vorstellbar? Es geht um Begleitung bei Terminen, Fahrdienste, Besuche inklusive Gesellschaft leisten und Gesellschaftsspielen, Entlastungen im Alltag und Hilfen im Haushalt, Einkaufsdienste, „mit Rädern zum Essen“, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, gemeinsame Ausflüge oder gemeinsames Wandern oder auch Gartenarbeit. „Ich selbst fahre zweimal im Jahr zu einer Tante nach Wuppertal, weil ich ihre Matratze wenden muss. Alleine kann sie das nicht mehr“, erklärte Malte Duisberg und betonte: „Wir sind aber kein professioneller Anbieter und wollen uns klar abgrenzen von allen Handwerkerleistungen, denn wir wollen keine Konkurrenz darstellen.“

Auch wenn die Hauptzielgruppe die Senioren sind, richtet sich das Angebot der GenoEifel nicht nur an diese. „Als Mama weiß ich, dass auch jüngere Menschen Hilfe benötigen“, sagte Corinne Rasky und meint Babysitter-, Begleit-, Hol- und Bringdienste für die Kinder, Kinderbetreuung in den Kita-Randzeiten oder eine Leseoma oder einen Leseopa.

Erreichbar ist die GenoEifel eG im Rathaus Kall unter 02441/88861 oder per E-Mail unter info@genoeifel.de. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.genoeifel.de, außerdem liegen in allen Filialen der VR-Bank Nordeifel eG Broschüren aus, die auch Beitrittserklärungen beinhalten. In Zukunft sollen sich in Ortschaften Kümmerer finden, die als ehrenamtliche Ansprechpartner fungieren. „In Sistig, Scheven und Schmidtheim gibt es schon welche“, berichtete Malte Duisberg.

Beschränkt ist das Angebot zu Beginn auf die sechs Südeifelkommunen Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Kall, Nettersheim und Schleiden sowie auf das Stadtgebiet Mechernich. Das Gebiet soll aber nach und nach auf den gesamten Kreis Euskirchen und sogar auf die Leader-Region, zu der auch Teile von Aachen und Düren gehören, ausgeweitet werden. „Wir müssen die GenoEifel aber zuerst ans Laufen bekommen“, sagte Wolfgang Merten. Den Grundstein, der eher die Wirkung eines Meilensteins hatte, haben alle Beteiligten im Gemünder Kurhaus gelegt

Helfen und helfen lassen

Statt Mehrgenerationenhaushalt kommt die Mehrgenerationenregion: Wer fit ist, hilft denen, die Gesellschaft und Unterstützung über die Pflege hinaus brauchen – GenoEifel eG, die Generationengenossenschaft mit Sitz in Kall, bringt beide Seiten zusammen – LEADER-Projekt startet mit 181.000 Euro in der Nordeifel und mit Ausdehnungsabsichten auf den gesamten Kreis Euskirchen – Die Betätigungsfelder sind reich: Fahren, Arztbesuche, Behördengänge, Vorlesen, Rasenmähen, Mensch-ärgere-dich-nicht spielen, im Haushalt helfen, Zuwendung geben – Neun Euro die Stunde, ein Geschäft ausschließlich unter Genossenschaftsmitgliedern

Schleiden/Kreis Euskirchen – Das Prinzip ist ebenso genial wie einfach: „Fitte“ Menschen kümmern sich um gebrechlichere Frauen und Männer, gehen für sie einkaufen, erledigen kleinere Arbeiten und Besorgungen und leisten den oft einsamen Alleinstehenden Gesellschaft. Sie tun über die Pflege hinaus das, was früher in einem Mehrgenerationenhaushalt die Kinder für die Eltern, die Enkel für Oma und Opa getan haben.
„Wir versuchen, das Modell Familie auf die ganze Nordeifel-Region zu übertragen“, sagte Wolfgang Merten heute in einer Pressekonferenz in Schleiden.  Bei dem Termin in der VR-Bank Nordeifel stellten Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Merten und Vorstandsvorsitzender Malte Duisberg gemeinsam mit den Koordinatorinnen Corinne Rasky und Marita Manderfeld die „GenoEifel eG“ vor, eine Generationengenossenschaft, die ab sofort Hilfsbedürftige und Helfer zusammenbringen will.
„Es geht nicht um klassische Pflege“, so Malte Duisberg, „dafür ist in aller Regel durch vorhandene Dienste gesorgt.“ Aber die haben kaum Zeit für Gespräche, Zuwendung, kleine Hilfen im Alltag, so Wolfgang Merten: „Ich kenne eine Frau, die könnte jetzt weiter zu Hause alleine leben, obwohl sie keine Angehörigen mehr hat, wenn sie die Leistungen der Dienstleistungsgenossenschaft in Anspruch nähme, sich jemand um sie kümmern würde, ihr den Rasen mäht, Besorgungen macht und auch mal Zeit für eine Partie Mensch-ärgere-dich-nicht hat.“

Kontakt Tel. 0160/ 90 95 27 18,
E-Mail: genoeifel@vr-banknordeifel.de

Auch Corinne Rasky nannte ein Beispiel aus dem so genannten „richtigen Leben“: „Die Ehefrau muss operiert werden, braucht übergangsweise für drei Wochen jemanden, der ein wenig im Haushalt hilft, sie fährt und Besorgungen macht – denn der eigene Mann ist selbst krank und in Reha.“ Da wird die GenoEifel eG mit Sitz im Kaller Rathaus (Tel. 0160/ 90 95 27 18, E-Mail: genoeifel@vr-banknordeifel.de) künftig in ihre Kartei an potenziellen Helfern gucken, wen sie für die drei Wochen vermitteln kann.
Das System lebt von der Hoffnung, dass sich genügend Menschen in Eifel und Kreis Euskirchen finden, die einen Teil ihrer Zeit für solche Hilfen zu geben bereit sind. Hilfebedürftige gibt es durch die demografische Entwicklung immer mehr . . .
Wer ihnen beisteht, indem er zum Beispiel Fahrdienste erledigt, die Senioren zur Kirche oder zum Arzt begleitet, sie im Heim besucht, mit ihnen spazieren geht, ihnen vorliest, Bilder aufhängt oder die Betten bezieht, soll das nicht ohne Gegenleistung tun.
Denn die Generationengenossenschaft führt Buch über die geleisteten Stunden. Die kann man in einem Zeitkonto ansparen – und in Anspruch nehmen, wenn und falls man selbst einmal Begleitung und Unterstützung dieser Art in Anspruch nehmen will.
Außerdem besteht die Möglichkeit, sich die geleisteten Stunden bezahlen zu lassen. Malte Duisberg: „Wer der Meinung ist, dass das Leben so gut zu ihm war, dass er ohne Gegenleistung unterstützen und begleiten will, der kann sich auch so engagieren.“

Ein Geno-Anteil für 50 Euro,
40 Euro Beitrag im Jahr

Der Stundensatz beträgt neun Euro für diejenigen, die Hilfe in Anspruch nehmen. Der Helfer bekommt davon sechs, die Genossenschaft drei Euro. Außerdem müssen Helfer wie Hilfsbedürftige, um überhaupt zueinander vermittelt zu werden, Mitglied der GenoEifel eG werden. Der Jahresbeitrag kostet 40 Euro. Außerdem muss man einmalig mindestens einen Anteil an der Genossenschaft erwerben (50 Euro).
„Das ist eine faire Grundlage, auf der wir den Versuch wagen, eine solidarische Gesellschaft in der Nordeifelregion und später im ganzen Kreis Euskirchen zu organisieren“, so Wolfgang Merten, der Aufsichtsratsvorsitzende. Das hat auch die EU erkannt und das Projekt in seine LEADER-Förderung aufgenommen.
Insgesamt fließen in der Startphase der Jahre 2017 bis 2022 181.000 Euro Fördermittel in die GenoEifel eG, 118.000 aus dem LEADER-Programm, 63.000 Euro von insgesamt zehn regionalen Partnern, darunter Firmen und Stiftungen wie die Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd, deren Geschäftsführer Malte Duisberg ist. Natürlich engagierte sich auch die VR-Bank Nordeifel stark, deren Vorstandsmitglied Wolfgang Merten ist.
Außerdem die Dr. Axe-Stiftung Köln, die DHPG Euskirchen, der Weiss-Verlag Monschau, e-regio Euskirchen, die Anwaltskanzlei Pelzer in Schleiden, die Steuerkanzlei Heinen/L`homme/Weishaupt & Partner in Mechermich, Heimbach und Schleiden, Bohnen & Mies in Schmidtheim und die Energie Nordeifel in Kall.
Im Vorfeld der Genossenschaftsgründung hatten sich Malte Duisberg und Wolfgang Merten bei vergleichbaren Genossenschaften vor allem in Süddeutschland umgesehen und unter Weglassen von Schwächen und Nachteilen ein eigenes Modell aus den positiven Erfahrungen konstruiert, das sie jetzt in einer Pressekonferenz vorstellten.

Auftaktveranstaltung am
29. Mai, 18.30 Uhr, in Gemünd

Im Oktober war die Gründung, am 29. Mai soll die Geno Eifel eG in einer Auftaktveranstaltung um 18.30 Uhr im Kleinen Kursaal Gemünd der Region vorgestellt werden. Dem Vorstand gehört neben Malte Duisberg Karl Vermöhlen an, dem Aufsichtsrat außer Merten auch Claudia Weishaupt von Heinen/L’homme/Weishaupt und der frühere Geschäftsführer, jetzige Pensionär und Kommunalpolitiker Hans Reiff.
Zum Auftakt der Pressekonferenz nannte Malte Duisberg die Grundvoraussetzung für die Generationengenossenschaft in Eifel und Börde: „Wir stellen uns damit einer der größten Voraussetzungen unserer Zukunft, das muss klar sein. Die Gesellschaft wird älter, gerade auf dem Land wollen viele möglichst lange selbstbestimmt und möglichst selbstständig leben. Dazu brauchen sie die Hilfe, die früher eine Mehrgenerationenfamilie gegeben hat. Da es die nicht mehr gibt, hilft kein Zetern und klagen: Wir mussten und wir haben nach einer Alternative gesucht!“
Wolfgang Merten: „Neben professioneller Hilfe wird bürgerschaftliches Engagement immer wichtiger. Noch nie haben so viele ältere Menschen so viel Kompetenz und Berufserfahrung im Alter eingebracht wie heute.  Noch nie haben ältere Menschen über so viel Zeit verfügt, nicht zuletzt durch die länger werdende Zeit des Ruhestandes, wie heute. Ältere Menschen wollen Dinge selber in die Hand nehmen, sich ehrenamtlich einbringen und gleichzeitig für sich selbst einen Nutzen generieren. Wir bringen beide Seiten zusammen: Die, die Unterstützung brauchen und die, die sie geben wollen und geben können!“
pp/Agentur ProfiPress

Ein historisches Bild, es entstand am 7. Oktober 2016 in den Räumen der VR-Bank Nordeifel: Die Versammlungsteilnehmer der Genossenschaftsgründung der GenoEifel eG haben die entsprechenden Protokolle unterzeichnet. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Geniale Idee“ bescheinigten Medienvertreter in einer Pressekonferenz den „Erfindern“ der Generationengenossenschaft GenoEifel eG (von links): Karl Vermöhlen, Wolfgang Merten, Corinne Rasky, Malte Duisberg, Marita Manderfeld, Claudia Weishaupt und Hans Reiff.  Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Vorstandsvorsitzender Malte Duisberg sprach von einem nachhaltigen Konzept auf Generationen. Professionellen Diensten und Handwerkern sollen die freiwilligen Helfer nicht ins Gehege kommen: „Es geht um ehrenamtliche Begleitung und kleine Hilfen im Alltag, Erzählen, vorlesen, mit auf den Friedhof, in die Kirche oder zum Arzt gehen, die Matratzen drehen, Betten neu beziehen, Rasen mähen, Mensch-ärgere-dich-nicht-spielen.“ Dass die Hilfsbedürftigen etwas für die Leistung bezahlen sollen, habe auch etwas mit Würde und Respekt zu tun: „Wir wollen die Menschen nicht zu Almosenempfängern machen.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Corinne Rasky will gemeinsam mit Marita Manderfeld Helfer und Hilfsbedürftige betreuen und zusammenbringen. Sie nannte ein Beispiel: „Die Ehefrau muss operiert werden, braucht übergangsweise für drei Wochen jemanden, der ein wenig im Haushalt hilft, sie fährt und Besorgungen macht – denn der eigene Mann ist selbst krank und in Reha.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Die Helfer sind versichert und in der Berufsgenossenschaft“, so Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Merten, der die Eifeler Generationengenossenschaft seit 2013 mit plante und zum erfolgreichen LEADER-Projekt machte. Die GenoEifel eG erhält für die Startphase bis zum Jahr 2022 118.000 Euro aus dem LEADER-Programm und 63.000 Euro von insgesamt zehn regionalen Partnern, darunter die VR-Bank Nordeifel, die Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd, Dr. Axe-Stiftung Köln, DHPG Euskirchen, Weiss-Verlag Monschau, e-regio Euskirchen, die Anwaltskanzlei Pelzer in Schleiden, die Steuerkanzlei Heinen/L`homme/Weishaupt & Partner in Mechermich, Heimbach und Schleiden, Bohnen & Mies in Schmidtheim und die Energie Nordeifel in Kall.  Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Genossenschaftsidee ist Weltkulturerbe

Die Unesco hat die Genossenschaftsidee kürzlich zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Als Genossenschaftsbank ist die VR-Bank Nordeifel eG von Anfang an von diesem Prinzip überzeugt. Im Interview erklärt Bernd Altgen, warum die genossenschaftliche Idee gerade den Zeitgeist trifft, warum besonders strukturschwache Regionen davon profitieren können und wie sich die VR-Bank Nordeifel eG in diesem Bereich engagiert.

» Was denken Sie, welche Auswirkungen könnte die Erklärung zum immateriellen Weltkulturerbe für die Genossenschaftsidee haben?

Bernd Altgen: Ich hoffe, dass die Genossenschaften dadurch etwas mehr ins Bewusstsein der Menschen geraten. Obwohl es ein tradiertes Modell ist, das Menschen schon seit mehr als 150 Jahren zusammenbringt, kann es gleichzeitig hoch innovativ sein. Schließlich sind momentan viele Menschen auf der Suche nach Modellen, die den Gemeinschaftssinn fördern.

» Die Genossenschaftsidee hat also einen modernen Charakter?

Bernd Altgen: Genau. Betrachtet man zum Beispiel Shared Services oder Crowdfunding – auch dahinter steht meines Erachtens eine genossenschaftliche Idee. Sie bietet den Menschen mehr Möglichkeiten, Ideen zu entwickeln und auch Taten folgen zu lassen. Genossenschaften bringen in dem Maße Nutzen und Wertschöpfung, wie die Mitglieder ihre Leistungen in Anspruch nehmen.
In der evolutionären Entwicklung hat der Mensch früh erkannt, dass man gemeinsam mehr erwirtschaften kann. Menschen beteiligen sich an Projekten, um einen Vorteil für sich zu generieren und gleichzeitig ein möglichst geringes persönliches Risiko einzugehen. An einer Genossenschaft kann man sich beteiligen und ist gleichzeitig nur beschränkt haftbar zu machen. Bei dieser Rechtsform steht eben der Mensch – und nicht das Kapital – im Mittelpunkt.

» Welche Werte zeichnen eine Genossenschaft aus?

Bernd Altgen: All jene Werte, die Menschen verbinden: Nachhaltigkeit, Verlässlichkeit, Solidarität, Ehrlichkeit und Respekt, Fairness und Gerechtigkeit. Es geht dabei um die Frage, wie man Menschen dazu motivieren kann, verantwortlich die Zukunft zu gestalten. Nur wenn alle Akteure davon profitieren, kann es partnerschaftliches Handeln geben, das Nachhaltigkeit schafft.

» In einer Genossenschaft können sich die Mitglieder nach demokratischem Prinzip an der Gestaltung des Unternehmens beteiligen. Welche Möglichkeiten gibt es dazu bei der VR-Bank Nordeifel eG?

Bernd Altgen: In unseren Versammlungen können die Mitglieder ihre Vertreter wählen, die jeweils 250 Genossenschaftsmitglieder repräsentieren. Außerdem binden wir unsere Mitglieder über verschiedene Beiräte in die unternehmerische Gestaltung ein. So haben wir zum Beispiel Regional- und Strategiebeiräte, die über die Vergabe der Mittel aus dem Regionalfonds bestimmen. Die gewählten Mitglieder haben dort nämlich die Stimmenmehrheit – und können den Vorstand überstimmen. Und natürlich sind unsere Mitglieder auch im Aufsichtsrat vertreten.

» Wie profitieren die Mitglieder darüber hinaus von einer Genossenschaftsbank?
Bernd Altgen: Wir sind auf unsere Mitglieder angewiesen – und darauf, dass sie sich in der Region wohlfühlen und hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Darauf fußt letztlich unser regionales Engagement. Wir wollen Menschen und Unternehmen aktivieren, um die Region nach vorne zu bringen – für eine gute Zukunft. Letztendlich muss unser Wirken natürlich dem Zweck der Genossenschaft dienen. Unser Grundauftrag hier in der Nordeifel ist sozusagen die „Dableibensvorsorge“.
In der Nordeifel ist heute die Hälfte der Einwohner Mitglied in der VR-Bank Nordeifel eG. So ist es für uns alle nachhaltig wirtschaftlich, wenn wir die Region nach vorne bringen. Wenn unsere Mitglieder die Eifel als lebenswert empfinden und hier ihren Lebensmittelpunkt haben, wird die Region auch wirtschaftlich tragfähiger. Und natürlich brauchen wir auch hochqualifizierte Mitarbeiter in unserem Unternehmen, denen wir so vor Ort eine Perspektive bieten können.
Die Genossenschaft ist eben ein Menschensystem, in dem die Werte die Leitplanken bilden, die die Menschen miteinander verbinden, für eine gute Zukunft in der Heimat.
» Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Genossenschaften?
Bernd Altgen: Die Genossenschaftsidee basiert von Anfang an auf dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn wir zu den Ursprüngen zurückkehren gab es immer einen Mangel oder einen Druck auf die Menschen, der der Auslöser für die Gründung einer Genossenschaft war. Allgemein sind sicherlich Themen wie Demografie, Digitalisierung und die sogenannte Arbeitswelt 4.0 eine Herausforderung für die Gesellschaft. Die Eifel ist darüber hinaus eine strukturschwache Region, in der wir als Bürger selbst gefordert sind, etwas zu bewegen. Aus diesem Grund unterstützt die VR-Bank Nordeifel eG schon seit Jahren die Gründung von engagierten Genossenschaften in der Region, wie zum Beispiel die Schülergenossenschaft der Realschule Schleiden, den Sistiger Dorfladen, das Streuobstwiesen Netzwerk Nordeifel eG, die GenoEifel eG – die Generationengenossenschaft und die Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG eG. (st)


Bernd Altgen, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Nordeifel eG, sieht den innovativen Charakter der Genossenschaftsidee. Foto: Tucholke


Frische Genossenschaft Sistig eG (Dorfladen)
Kurz vor der Schließung konnten die Sistiger Bürger ihren Dorfladen retten und als Genossenschaft weiter betreiben. Fest angestellte Arbeitskräfte werden hier von Freiwilligen unterstützt, um die örtliche Infrastruktur zu erhalten. Unter eigenem Label werden sogar Brot, Wurst und Bier verkauft. Die VR-Bank Nordeifel eG beriet bei der Gründung in wirtschaftlichen Fragen.


GenoEifel eG – die Generationengenossenschaft
Die Idee ist eine Drei-Generationen-Region: Jüngere Menschen setzen sich bei der Hilfe für alt gewordene Eifeler ein – in Form von Rasenmähen, durch die Zeit für ein Gespräch oder einen Spaziergang. Für ihren Einsatz bekommen sie eine Vergütung oder lassen sich Zeit auf ihrem persönlichen Konto gutschreiben, die sie im Bedarfsfall wieder gegen Hilfe eintauschen können.


HAMMERauch eSG (Schülergenossenschaft)
Die Schülergenossenschaft möchte jungen Menschen schon früh ökonomisches Wissen, Selbstständigkeit und Teamgeist vermitteln. Wie eine echte Genossenschaft ist sie mit Vorstand und Aufsichtsrat aufgebaut und betreibt die Geschäftsfelder Nachhilfenetzwerk, Schulauktionen und schuleigenes Eventmanagement mit Cateringservice. Die Schüler werden dabei regelmäßig durch Mitarbeiter der VR-Bank Nordeifel eG unterstützt.


Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG
Arbeitgeber aus der Nordeifel haben sich zusammengeschlossen, um als Genossenschaft für die Mitglieder Leistungen aus den Bereichen Personalführung, Chancengleichheit & Diversity, Gesundheit, Wissen & Kompetenz und Digitalisierung zu entwickeln, bereitzustellen oder einzukaufen. Die Eifel DLG, eine Idee der VR-Bank Nordeifel eG, soll ihre Mitglieder wirtschaftlich und sozial fördern – und die Region nach vorne bringen.

Demografie Exzellenz Award

In Deutschlands Norden hat man das Potenzial der Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG schon erkannt: Der Zusammenschluss von 41 Unternehmen der Nordeifel wurde in Hamburg mit dem Demografie Exzellenz Award 2016 in der Kategorie „arbeiten und glücklich leben“ ausgezeichnet. Mit dem Award des Demografie Exzellenz e.V. in Kooperation mit dem Demographie Netzwerk e.V. sollen Leuchtturm-Projekte bekannt gemacht werden, die sich dafür einsetzen, die Herausforderungen des demografischen Wandels zu bewältigen. In der genannten Kategorie lag der Fokus auf der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie dem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Mitbewerber waren unter anderem das Rüstungsunternehmen Diehl BGT Defense und der Stahlproduzent thyssenkrupp Steel Europe. Die Jury zeigte sich begeistert, dass die Unternehmer der Nordeifel ihr „Schicksal“ mit der Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG selbst in die Hand nehmen – und damit die Region vorantreiben. (st)

V.l.: Moderator Michel Abdollahi, Melanie Vogel (Agentur ohne Namen), Gisela Caspers, Doris Ley und Julia Klinkhammer (Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG) und Aletta von Hardenberg (Charta der Vielfalt). Foto: Nico Schilling