Baufinanzierung – Welche Unterlagen brauche ich?

Welche Unterlagen brauche ich?
Erster Teil der Baufinanzierungsserie im Blog „Wir in der Eifel“ – Unterschiede bei Finanzierung eines Immobilienkaufs oder eines Bauvorhabens
Der Bau oder Kauf eines Eigenheims ist heutzutage mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. Am Ende ist in der Regel ein kompletter Aktenordner prall gefüllt. Diese Unterlagen sollten sie beim Gespräch mit dem Berater Ihrer Bank auch alle mitbringen, wie Arno Graff vom Baufinanzierungsteam der VR-Bank Nordeifel eG erklärt. Alternativ können Sie Ihrem Berater bei der VR-Bank diese Unterlagen auch schon vor dem Termin als PDF-Dateien zukommen lassen. Die E-Mail-Adresse erhalten Sie bei der Terminabsprache.
„Einem Berater muss zunächst klar sein, was ein Kunde überhaupt vorhat. Will er kaufen oder bauen?“, beschreibt es Graff. In beiden Fällen sollten folgende Dokumente auf jeden Fall mitgebracht werden: Personalausweis, Einkommensnachweise (bei Eheleuten, die beide im Kaufvertrag stehen, von beiden) der letzten drei Monate und vom Dezember, eine Selbstauskunft, die es per PDF bei der VR-Bank Nordeifel eG gibt sowie eine Übersicht über Vermögen oder Verbindlichkeiten.
Hinzu kommen, je nach Grund für die Finanzierung, noch weitere Unterlagen:
Beim Kauf einer bereits existierenden Immobilie sollten die Unterlagen, die der Makler zur Verfügung stellt, mitgebracht werden, also das gesamte Exposé inklusive aller Pläne, Zeichnungen und Bilder sowie der Objektbeschreibung. Eine Aufstellung der Modernisierungsmaßnahmen wäre ebenfalls angebracht, weil daraus der Bankberater erkennen kann, ob hohe Renovierungskosten anfallen oder nicht. „Plant ein Käufer ein Veränderung des Grundrisses ist es natürlich teurer, als wenn nur Farbe und Tapete gekauft werden müssen“, berichtet Arno Graff, Filialleiter der VR-Bank Nordeifel eG.
Beim Bau eines Hauses ist natürlich nicht der Makler der erste Ansprechpartner, sondern im Regelfall der Architekt. Der ist sowohl für die Pläne als auch die Baukostenaufstellung zuständig. Beides sollte zum Beratungsgespräch mitgebracht werden. Außerdem benötigt die Bank einen Grundbuchauszug mit den Angaben zum Grundstück, den es in der Regel beim zuständigen Amtsgericht (im Einzugsgebiet der VR-Bank Nordeifel eG das Amtsgericht Schleiden) gibt. „Wenn aber beispielsweise Städte und Gemeinden die Baugrundstücke veräußern, erhält man als Käufer den Grundbuchauszug in den Rathäusern“, erklärt Graff. Wichtig für den Bankberater ist auch die Frage, ob der Käufer Eigenleistungen am Haus plant, denn je mehr ein Hausbesitzer selber macht, desto weniger Kosten fallen an. „Bei der Erstellung einer Eigenleistungstabelle ist eventuell auch der Architekt der erste Ansprechpartner“, erzählt Graff. So kann die Bank errechnen, wie hoch die erforderliche Summe bei einer Komplettfinanzierung ist oder wie hoch die Summe ist, wenn nur das Material erworben werden muss, weil der Kunde selbst tätig wird.
Sind alle Unterlagen vorhanden, verspricht die VR-Bank Nordeifel eG, innerhalb von 48 Stunden eine Entscheidung über die Vergabe eines Kredites zu fällen.

Lesen Sie  im nächsten Teil der Baufinanzierungsserie: Wie finde ich überhaupt ein Haus oder ein Grundstück?

Baufinanzierung von A bis Z

Niedrige Kreditzinsen, gutes Wetter – Frühjahr und Sommer sind die perfekte Zeit, um mit dem Hausbau anzufangen. Im Interview gibt Baufinanzierungsspezialist der VR-bank Nordeifel eG Arno Graff Tipps zu Krediten.

» Herr Graff, welche Voraussetzung sollte ich als Kunde mitbringen, wenn ich einen Kredit aufnehmen will?

Arno Graff: Die Kunden sollten über ein gewisses Maß an Eigenkapital verfügen, als Faustregel gelten 10 bis 20 Prozent der Kaufsumme oder Baukosten. Wenn man natürlich, wie in der Eifel oft immer noch üblich, bereits über ein Baugrundstück verfügt oder beim Bau vieles in Eigenleistung erledigt, dann wirkt sich das auch positiv aus. Wichtig ist natürlich auch, dass das Einkommen für die Ratenzahlung reicht. Dabei sollten auch Eventualitäten berücksichtigt werden, etwa der Wegfall eines Gehalts durch Elternzeit oder Arbeitslosigkeit.

» Und wenn kein Eigenkapital vorhanden ist?

Arno Graff: Natürlich muss man immer betrachten, warum kein Eigenkapital da ist: Wer eine Ausbildung gemacht oder studiert hat, konnte natürlich nicht sparen. Wenn er aber nachweisen kann, dass er jetzt gut verdient, dann macht das eventuell doch den entscheidenden Unterschied. Hin und wieder kommen wir aber auch zu dem Schluss, dass ein Kredit besser erst später genommen wird. Die Interessenten sollten gemeinsam mit dem Berater einen Finanzplan aufstellen und zunächst sparen. Gerade wer baut sollte auch über mehrere Monate mit einer Doppelbelastung von Kreditrate und Monatsmiete über die Runden kommen beziehungsweise dies bei der Planung berücksichtigen.

» Welche Unterschiede bestehen eigentlich zwischen einem Hauskauf und einer Baufinanzierung?

Arno Graff: Hauptunterschied ist der Bereitstellungszeitpunkt des Geldes. Beim Kauf bezahlt man zeitnah die Gesamtsumme, beim Bau nach und nach, nämlich dann, wenn der nächste große Meilenstein des Hauses ansteht.

» Erklären Sie doch bitte mal, wie ein Kredit überhaupt funktioniert.

Arno Graff: Viele Menschen ziehen von der Kreditsumme einfach ihre Rate ab und rechnen das dann um. Aber das ist natürlich nicht richtig, denn es wird ja nicht nur getilgt, sondern es müssen auch Zinsen an die Bank gezahlt werden. Ich veranschauliche das mal an einem einfachen Beispiel. Sie nehmen eine Kreditsumme von 100.000 Euro auf, es fallen im Jahr 1,5 Prozent Zinsen und zwei Prozent Tilgung an. Im ersten Jahr hat man also 3.500 Euro gezahlt, die Kreditsumme liegt aber nicht bei 96.500 Euro, sondern bei 98.000 Euro, weil die Bank 1.500 Euro erhält.

» Kommen weitere Ausgaben auf einen zu?

Arno Graff: Beim Hauskauf sind neben dem Kaufpreis noch Notarkosten von bis zu zwei Prozent, die Grunderwerbssteuer von 6,5 Prozent und eventuell eine Makler-Courtage, die zwischen 3,57 und 5,95 Prozent liegt, fällig. Beim Hausbau fallen neben den Baukosten auch Zahlungen an den Architekten, einen Energieberater, einen Statiker, weitere Bauplanungskosten sowie die Kosten für die BauBG an, genau wie die Doppelbelastung von Miete und Rate über mehrere Monate hinweg. Auch eine Rohbau-, Feuer- und Bauherrenhelfer-Versicherung sind anzuraten.

» Worauf muss ich noch bei der Baufinanzierung achten?

Arno Graff: Nach Möglichkeit sollte die Kreditrate 30 bis 40 Prozent des zur Verfügung stehenden Nettoeinkommens betragen. Weitere zehn Prozent sollte man idealerweise sparen. Wenn also das Nettoeinkommen 2000 Euro beträgt, zieht man im Regelfall 1000 Euro für Lebenshaltungskosten ab. Die Kreditrate beträgt 600 bis 800 Euro. Und im Idealfall werden 100 Euro auf Seite gelegt.
» Wie viel Geld sollte ich denn immer „auf der hohen Kante“ haben?

Arno Graff: Es können immer unvorhergesehene Dinge passieren, Geräte gehen kaputt und müssen neu gekauft werden. Deshalb empfehlen wir, das so schnell wie möglich wieder eine Summe von rund 10.000 Euro angespart wird und die dann immer zur Verfügung steht.
» Über welchen Zeitraum sollte man einen Kredit zurückzahlen?

Arno Graff: Die meisten Leute wollen natürlich ihren Kredit vor Beginn der Rente abbezahlt haben, also mit 65 bis 67 Jahren. Das gelingt aber nicht immer.
» Man kann die Dauer doch auch mit Sondertilgungen verkürzen?

Arno Graff: Das stimmt, aber nicht jeder möchte das nutzen – vor allen Dingen wird diese Option selten ausgeschöpft. Wichtig ist: Nutzen Sie nicht das Urlaub- und Weihnachtsgeld für Sondertilgungen, die sollen wirklich für den Zweck, nach dem sie benannt sind, genutzt werden.
» Welche Modelle der Finanzierung gibt es überhaupt?

Arno Graff: Klassisch ist das Annuitätendarlehen mit Zinsen und Tilgung in einer Rate, also so, wie eben skizziert. Dann gibt es noch Zinszahlungsdarlehen der Bausparkassen. Dabei wird das Darlehen nicht sofort getilgt, man spart stattdessen Geld auf der anderen Seite an. Vorteil ist die Zinssicherheit. Als Sparer bestimme ich selbst, wann ich über das Geld verfügen möchte.
» Apropos: Für welche Dauer sollte man Zinsen festschreiben lassen?

Arno Graff: Möglich ist eine Zinsbindung zwischen drei und 30 Jahre. Je länger die Bindung, desto höher sind dann die Zinsen. Die Bank bietet auch nicht jede Dauer an, das erfolgt dann oft über den Verbund, also die Schwäbisch-Hall, die R+V-Versicherung oder die WL-Bank. Außerdem: Je länger die Zinsbindung dauert, desto mehr Sicherheiten müssen vorgewiesen werden. Natürlich ist alles individuell: Wer beispielsweise weiß, dass er Sondertilgungen ausschöpft, für den ergibt eine lange Zinsbindung keinen Sinn.
» Gibt es Förderungen durch den Staat?

Arno Graff: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat unterschiedliche Programme, etwa Wohn-Eigentum oder Energie-Effizienz. Dabei wird entweder ein Kredit gewährt oder Anschaffungen bezuschusst, die Antragstellung erfolgt über die Bank. Dann gibt es noch Zuschüsse des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Gerade für Familien ist auch Riester ein interessanter Baustein.
» Ich habe nun meinen Kredit abgeschlossen, alles läuft. Wie geht es weiter?

Arno Graff: Sie sollten sich dann weiteren wichtigen Dingen widmen, nämlich den Themen Sicherheit und Versicherungen.
» Welche sind denn wichtig?

Arno Graff: Der Todesfall sollte durch eine Risikolebensversicherung abgesichert werden, dann natürlich noch Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Krankheit, Arbeitslosigkeit. Ein guter Ansprechpartner ist natürlich unser Verbundpartner, die R+V Versicherung.
» Das war’s dann aber – zumindest für die Dauer der Zinsbindung, oder?

Arno Graff: Spätestens nach zehn Jahren muss man sich zusammensetzen. Besser wäre aber eine Beratung alle zwei Jahre. Denn es kann sich ja immer etwas geändert haben. So kann man die Finanzierung und die langfristige Konzeption den individuellen Bedürfnissen anpassen. Und wenn man merkt, dass irgendwas nicht passt oder nicht verstanden wird, sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern das Gespräch mit uns suchen. Gemeinsam finden wir bestimmt eine Lösung.

NS-Denkmäler mutig demontiert

Stiftung Aktive Bürgerschaft zeichnet Sturmius-Gymnasium als eine von fünf Schulen bundesweit aus – Sozial-genial-Projekte werden von VR-Bank Nordeifel eG gefördert
Schleiden – „Wir freuen uns riesig!“, sagt Schulleiter Georg Jöbkes. Das städtische Johannes-Sturmius-Gymnasium in Schleiden wurde jetzt als einer von fünf Gewinnern im bundesweiten „Service-Learning-Wettbewerb“ der Stiftung Aktive Bürgerschaft in Berlin ausgezeichnet.
„Service Learning“ sei ein Bildungskonzept, das bürgerschaftliches Engagement und Unterricht verbinde, erläutert der Schulleiter. Das Programm wird gefördert von der DZ Bank und örtlichen Genossenschaftsbanken wie der VR-Bank Nordeifel eG.
Seit 2012 Schule engagiert sich die Schule im Service-Learning-Programm. Viele Projekte wurden unter dem Titel: „Sozialgenial – Schüler engagieren sich“ bereits umgesetzt. „Ohne die finanzielle Unterstützung der VR-Bank wäre das nicht möglich gewesen“, so der Schulleiter.
„Das haben wir daher gerne unterstützt“, freut sich Wolfgang Merten, Vorstandsmitglied der VR-Bank Nordeifel eG, mit den Schülern und der Schule. Er selbst war auch bei der Preisverleihung in Berlin mit vor Ort. Dort präsentierten die Schleidener Schüler, was in ihren Projekten steckt. Sie hatten sich mit unbequemen Denkmälern wie dem Täterort Vogelsang und furchteinflößenden Wandbildern der NS-Zeit intensiv beschäftigt.
Die Jury lobte die Themenauswahl der Schüler als „mutig“. Beachtenswert sei auch, dass die Schule die „sozial-genial“ Projekte nicht punktuell anbiete, sondern stattdessen in den Schulalltag dauerhaft integriert habe. Die Schüler befassten sich gemeinsam mit ihren Lehrern intensiv mit den Themen, führten Gespräche mit Zeitzeugen, durchforsteten Archive und Quellen, lernten historisch-wissenschaftliches Arbeiten und nahmen auch Experten mit ins Boot.
Sie recherchierten: Wo liegt der Wert eines Denkmals? Wie sahen Bildung und Bildungsziele in der NS-Zeit aus – und heute? Gibt es eine Verbindung der damaligen Hitlerschule in der damaligen Ordensburg und der Schleidener Schule? Letztere gab es tatsächlich, wie Lehrerin Michaela Schnettker berichtete: „Kinder von Angestellten durften hier zur Schule gehen, weil es als unzumutbar galt, dass Mädchen der Angestellten in Vogelsang auf das kirchliche Gymnasium in Schleiden gehen.“
Unter dem Titel „Konstruktive Bilddemontage des Täterortes Vogelsang“ haben die Schüler mit Unterstützung der Vogelsang IP und polnischen Schülern in Collagen etwa die furchteinflößenden Wandbilder und Statuen der Architektur auf Vogelsang verändert – so wurden beispielsweise aus heroischen Reiterstatuen nun fackeltragende Freiheitsstatuen.
„Als Bürgermeister ist man natürlich froh und stolz, wenn man als Schulträger eine Schule in der Stadt hat, die bundesweit eine von fünf Schulen ist, die eine solche Auszeichnung bekommt“, so Schleidens Bürgermeister Udo Meister. Die Schule gebe mit ihrer „sozial-genialen“ Arbeit wichtige gesellschaftliche Impulse. Schließlich sei die Institution kein isolierter (Lebens)-Raum „wie ein Aquarium“: „Hier werden Beziehungen hergestellt, verknüpft und es werden gesellschaftliche Prozesse angestoßen. Ihr bringt die Menschen zum Nachdenken.“
„Ich habe früher gar nicht so auf Denkmäler geachtet“, sagte Schülerin Nela Esken. „Heute sehe ich sie mit anderen Augen und nehme auch die Umgebung viel bewusster wahr.“
Weitere Projekte sollen folgen, verspricht Jöbkes. Passend dazu hatte VR-Bank-Vorstandsmitglied Merten eine weitere tolle Nachricht im Gepäck: Er versprach der Schule eine „Exklusiv-Partnerschaft“. Damit erkläre sich die VR-Bank auf vertraglicher Basis bereit, dauerhaft solch „sozial-genialen“ Projekte zu unterstützen.
Das Bildungskonzept mache Sinn, sagt Werner Böhnke, Vorsitzender der Stiftung: „Junge Menschen werden sich flexibel und schnell auf unterschiedliche und komplexe Situationen einstellen müssen, nicht nur im Berufsleben, sondern auch in der Mitgestaltung der Gesellschaft. Sie werden mit dem, was sie gelernt haben, neue, heute noch unbekannte Fragen beantworten müssen.“ Die dafür nötigen Kompetenzen fördere „Service Learning“.
Neben dem Schleidener Sturmius-Gymnasium waren 2017 die vier weiteren Gewinner-Schulen: Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe (Baden-Württemberg), Heinz-Nixdorf-Gesamtschule Paderborn (NRW), Integrierte Gesamtschule Kreyenbrück in Oldenburg (Niedersachsen), Regenbogenschule in Stolberg (Nordrhein-Westfalen). Bislang haben sich laut Stiftung über 80.000 Schüler aus 600 Schulen in 2000 sozial-genial-Projekten engagiert.

Das Schleidener Johannes-Sturmius-Gymnasium ist eine der fünf Gewinner-Schulen beim bundesweiten Service-Learning-Wettbewerb – zur Freude von Schulleiter Georg Jöbkes (hinten links), Bürgermeister Udo Meister (links), Lehrern und Schülern. Die VR-Bank Nordeifel eG, hier vertreten durch Vorstandsmitglied Wolfgang Merten (4.v.l.), unterstützte das Projekt. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Hilfst du mir, helfe ich dir

Gewaltiger Andrang bei der Auftaktveranstaltung zur Generationengenossenschaft GenoEifel eG im Gemünder Kurhaus – Vorstand, Aufsichtsrats und Koordinatorin stellten Konzept vor

Schleiden-Gemünd/Eifel – Wolfgang Merten war „überwältigt vom Andrang“, Malte Duisberg „sehr froh, dass Sie so zahlreich erschienen sind“. Tatsache ist: Wenn noch ein paar Leute mehr gekommen wären, hätte die Auftaktveranstaltung der Generationengenossenschaft GenoEifel eG in eine andere Lokalität verlegt werden müssen. Denn der kleine Kursaal im Gemünder Kurhaus platzte buchstäblich aus allen Nähten, der große Kursaal wäre zur Not frei gewesen. Die fleißigen Helfer der VR-Bank Nordeifel eG schafften von dort noch eilig Stühle herbei, dennoch mussten einige der rund 160 Besucher stehen. Auch die ausgelegten 100 Beitrittserklärungen waren flugs vergriffen.

Das Interesse an diesem im Kreis Euskirchen und der Eifel einmaligen Konzept war und ist gewaltig. Es geht vereinfacht gesagt darum, dass Menschen anderen, meist älteren Menschen in alltäglichen Situationen helfen – bei der Gartenarbeit, der Hausarbeit oder sich einfach mal eine Stunde pro Woche Zeit nehmen. „Die Grundidee zur Generationengenossenschaft, die damals noch eine Seniorengenossenschaft werden sollte, hat unser Vorstandsvorsitzender Bernd Altgen von einem Seminar in Baden-Württemberg mitgebracht“, berichtete VR-Bank-Nordeifel-Vorstand Wolfgang Merten, gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzender der GenoEifel eG.

Unterstützt wird die Generationengenossenschaft mit Leader-Mitteln. 118.000 Euro fließen aus diesem EU-Maßnahmenprogramm bis 2022 an die GenoEifel, hinzu kommen 63.000 Euro von Dritten, darunter auch von der VR-Bank Nordeifel eG sowie deren Stiftung, der Dr.-Axe-Stiftung aus Bonn, der Stiftung Evangelisches Altenheim Gemünd und der Heinen-L’homme-Weishaupt und Partner Steuerberater Partnerschaft mbB. Mitglieder der Generationengenossenschaft erwerben außerdem für 50 Euro einen Geschäftsanteil, pro Jahr werden außerdem 40 Euro Mitgliedsbeitrag fällig.

Dieses Geld wird nicht nur zum Aufbau der GenoEifel eG benötigt, sondern auch um die Gehälter der beiden festen Mitarbeiterinnen Corinne Rasky und Marita Manderfeld zu bezahlen, die derzeit ein Büro im Kaller Rathaus bezogen haben und im Jahr 2019 ins „Haus der Begegnung“ umziehen sollen, das neben dem Rathaus entsteht. Übrigens: Wer sich die Beiträge nicht leisten kann, soll in Zukunft von einem noch einzurichtenden Hilfsfonds partizipieren.

Doch warum ist eine Generationengenossenschaft überhaupt nötig? „Es gibt im Gegensatz zu früher keine Mehrgenerationenhaushalte mehr“, erklärte Vorstandssprecher Malte Duisberg. Heute würden Eltern bei ihren Kindern nach dem Prinzip verfahren „Lerne war, leiste was, geh‘ hinaus in die Welt und werde was“. Zwar gebe es schon das Netzwerk an Urft und Olef, Koordinatorin ist wie bei der GenoEifel Corinne Rasky, doch das beschränke sich auf Freizeitaktivitäten.

Leistungsempfänger und Leistungsgeber

„Bei uns geht es um gegenseitige Hilfestellungen, wir wollen Menschen zusammenbringen, die Bedarf haben“, erklärt Duisberg. Unterschieden wird bei der Generationengenossenschaft zwischen Leistungsempfänger und Leistungsgeber. Damit das Konzept funktioniert, werden beide Seiten benötigt.

Neun Euro Stundenlohn zahlen die Leistungsempfänger auf ein Konto ein. Drei Euro davon gehen an die GenoEifel eG. „Nach der Förderung muss sich die Genossenschaft selbst tragen“, erklärt Wolfgang Merten. Die restlichen sechs Euro erhalten die Leistungsgeber, die sich das Geld auch auf einem Zeitkonto gutschreiben lassen können, das Geld also „parken“ und später, wenn sie Hilfe benötigen, wieder abrufen. Als Vermittler dienen Corinne Rasky und Marita Manderfeld. Die werden beide Seiten auch interviewen, damit der Leistungsgeber genau weiß, was auf ihn zukommt. Wichtig auch: Weil es sich bei der GenoEifel um eine gemeinnützige Genossenschaft handelt, ist der Leistungsgeber auch über die Berufsgenossenschaft versichert.

Doch was für Arbeiten sind überhaupt vorstellbar? Es geht um Begleitung bei Terminen, Fahrdienste, Besuche inklusive Gesellschaft leisten und Gesellschaftsspielen, Entlastungen im Alltag und Hilfen im Haushalt, Einkaufsdienste, „mit Rädern zum Essen“, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, gemeinsame Ausflüge oder gemeinsames Wandern oder auch Gartenarbeit. „Ich selbst fahre zweimal im Jahr zu einer Tante nach Wuppertal, weil ich ihre Matratze wenden muss. Alleine kann sie das nicht mehr“, erklärte Malte Duisberg und betonte: „Wir sind aber kein professioneller Anbieter und wollen uns klar abgrenzen von allen Handwerkerleistungen, denn wir wollen keine Konkurrenz darstellen.“

Auch wenn die Hauptzielgruppe die Senioren sind, richtet sich das Angebot der GenoEifel nicht nur an diese. „Als Mama weiß ich, dass auch jüngere Menschen Hilfe benötigen“, sagte Corinne Rasky und meint Babysitter-, Begleit-, Hol- und Bringdienste für die Kinder, Kinderbetreuung in den Kita-Randzeiten oder eine Leseoma oder einen Leseopa.

Erreichbar ist die GenoEifel eG im Rathaus Kall unter 02441/88861 oder per E-Mail unter info@genoeifel.de. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.genoeifel.de, außerdem liegen in allen Filialen der VR-Bank Nordeifel eG Broschüren aus, die auch Beitrittserklärungen beinhalten. In Zukunft sollen sich in Ortschaften Kümmerer finden, die als ehrenamtliche Ansprechpartner fungieren. „In Sistig, Scheven und Schmidtheim gibt es schon welche“, berichtete Malte Duisberg.

Beschränkt ist das Angebot zu Beginn auf die sechs Südeifelkommunen Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Kall, Nettersheim und Schleiden sowie auf das Stadtgebiet Mechernich. Das Gebiet soll aber nach und nach auf den gesamten Kreis Euskirchen und sogar auf die Leader-Region, zu der auch Teile von Aachen und Düren gehören, ausgeweitet werden. „Wir müssen die GenoEifel aber zuerst ans Laufen bekommen“, sagte Wolfgang Merten. Den Grundstein, der eher die Wirkung eines Meilensteins hatte, haben alle Beteiligten im Gemünder Kurhaus gelegt

Fast 27.000 Euro fürs Überleben

Die liebenswerte Eifel muss lebenswert bleiben.“ Das ist für Bernd Altgen, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Nordeifel eG, eine der Hauptantriebe seines Tuns. Damit die Eifel sogar überlebenswert
bleibt, nimmt die VR-Bank fast 27.000 Euro in die Hand. 13.650 Euro will sie in einem Crowdfunding-Projekt mit Schulen für die Anschaffung von Defibrillatoren ausgeben. Weitere 10.000 Euro erhalten die Jugendfeuerwehren in den sechs Eifelkommunen,
in denen die VR-Bank präsent ist. Das Geld stammt aus dem VR-MitgliederFonds Nordeifel. Der Strategiebeirat hat die Verteilung der Mittel für beide Zwecke befürwortet. Bernd Altgen
und sein Vorstandskollege Wolfgang Merten überreichten
Schecks an Udo Crespin, Leiter der Feuerwehr und des Rettungsdienstes im Kreis Euskirchen, sowie an Schleidens Wehrleiter Udo Schmitz, der mit Stadtjugendwärtin
Vanessa Reder und Jugendfeuerwehrmann Niklas Hupp das Geld stellvertretend für alle Jugendfeuerwehren der Region in Empfang nahm. Bei dem Crowdfunding-Projekt wurden 21 Eifeler
Schulen und deren Fördervereine angeschrieben. 650 Euro stellt die VR-Bank ihnen für die Anschaffung eines Defibrillators in Aussicht. Dafür müssen aber von den Schulen Spenden in Höhe von weiteren 650 Euro gesammelt werden. Nur wenn diese
Summe erreicht ist, fließt auch das Geld aus dem VR-MitgliederFonds. „Wir wollen die jungen Leute
animieren, mitzumachen“, erzählt Merten. Wie wichtig ein Defibrillator sein kann, erklärt Udo Crespin. „In jeder Minute, die bei einem Herz-/Kreislaufstillstand nicht reagiert wird, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent.“ Angst brauche man bei der Verwendung eines „Defis“ nicht zu haben, das Gerät „spreche“ mit dem Nutzer. Da es Kammerflimmern erkennt, kann es auch nicht fälschlicherweise ausgelöst werden.
Auch das Geld für die Jugendfeuerwehren ist gut
angelegt. Pro Mitglied erhalten die kommunalen
Jugendfeuerwehren 27,50 Euro. Das Geld muss für
die Ausbildung, die Ausrüstung und die Bekleidung
verwendet werden.

Silberne Ehrennadel für Bernd Altgen

Der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Nordeifel eG wurde vom RWGV ausgezeichnet – Weitere Ehrung für den Aufsichtsratsvorsitzenden Robert Pelzer
Schleiden – Dass Aufsichtsrat, Vorstand und Mitarbeiter einer Bank verschwiegen sein müssen ist allgemein bekannt und gesetzlich durch das Bankgeheimnis vorgeschrieben. Daran halten sich offenbar auch alle Beteiligten, wenn es um Ehrungen verdienter Menschen geht. Denn man darf mit Fug und Recht behaupten: die doppelte Überraschung bei der Vertreterversammlung der VR-Bank Nordeifel eG am Donnerstagabend in der Mensa des Clara-Fey-Gymnasiums, zu der rund 80 Vertreter der 25.444 Mitglieder der VR-Bank erschienen waren, war geglückt.
Denn gleich zwei Personen waren vollkommen ahnungslos, dass Sie plötzlich für ihre besonderen Verdienste ausgezeichnet wurden. Bei dem ersten Geehrten handelte es sich um Robert Pelzer, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank. Aufsichtsratsmitglied Malte Duisberg begann mit den Worten „Lieber Robert, da musst du jetzt durch“ eine wundervolle Laudatio auf den Mann, der seit 1995 im Aufsichtsrat der Bank ist und ihm seit 1996 vorsitzt. Duisberg attestierte Pelzer eine bewundernswerte Bescheidenheit, fachlichen Sachverstand und beneidenswerte Souveränität.
Um zu verdeutlichen, wie aufwendig die Arbeit auf der Position ist, führte Duisberg ein paar Zahlen auf: 220 Aufsichtsratssitzungen habe Pelzer in den 21 Jahren geleitet, an 20 Vertreterversammlungen teilgenommen. Hinzu kommen stundenlange Vorbereitungen auf die Sitzungen sowie interne Abstimmungen mit dem Bank-Vorstand. Pelzer sei stets offen für Neues, hellwach und habe mit gesundem Menschenverstand stets Wertschöpfung und Wertschätzung im Blick.
Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes, war ebenfalls zur Vertreterversammlung erschienen. Er überreichte Rechtsanwalt Robert Pelzer eine Ehrenurkunde und fand es alles andere als selbstverständlich, dass jemand sich durchgängig mehr als 20 Jahre für sein Bankhaus einsetzt. „Das ist völlig überzogen, gleichwohl ans Herz gehend“, bedankte sich der sichtlich gerührte Aufsichtsratsvorsitzende bei Duisberg und Barkey.
„Er hat die Bank geprägt wie kein anderer“
Pelzer und Barkey übernahmen dann auch gleich die nächste Ehrung. Just auf den Tag genau vor 25 Jahren war der heutige Vorstandsvorsitzende Bernd Altgen zum 1. Juli 1992 in den Vorstand der VR-Bank Nordeifel eG berufen worden. „Er ist derjenige, der die Bank wie kein anderer geprägt hat. Die kleine, feine Bank verdankt ihren Bestand, die Fortdauer ihrer Existenz, Bernd Altgen, der mit Geschick, Weitsicht und unter Raubbau an seiner Gesundheit seit 2002 als Vorstandssprecher und seit 2010 als Vorstandsvorsitzender die Bank leitet“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Robert Pelzer.
Ralf Barkey bezeichnete Altgen nicht nur als genossenschaftliches Urgestein, sondern als „Raiffeisen der Nordeifel“, der den Beruf vor mehr als 38 Jahren von der Pike auf gelernt habe – als Auszubildender zum Bankkaufmann in der damaligen Volksbank Blankenheim. „Bernd Altgen steht für die zentralen genossenschaftliche Werte und setzt sich für die Menschen in der Nordeifel ein“, so Barkey. Drei Fusionen habe er in seiner Vorstandszeit vorangetrieben. Gleichzeitig sei Altgen Vorsitzender der größten Personengemeinschaft der Eifel, denn die Hälfte der rund 50.000 Einwohner im VR-Bank-Nordeifel-Bereich sei Mitglied der Genossenschaftsbank.
Gleichwohl sei Altgen der Motor und Treiber in der Region, der unter anderem die Familiengenossenschaft Nordeifel-Euskirchen eG, die Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG eG, die Generationengenossenschaft GenoEifel eG und die Schülergenossenschaft der Realschule Schleiden als Initiator begleitet habe. „Sie haben bewiesen, dass Sie nicht nur eine Bank leiten können, sondern sind ein Impulsgeber der Region“, sprach Barkey Altgen direkt an, „solche Menschen wie Sie sind der Grund, warum die Genossenschaftsidee zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt wurde.“ Barkey verlieh Altgen daraufhin die silberne Ehrennadel des RWGV.
Der Geehrte selbst bat Barkey und Pelzer um ihre Redemanuskripte. „Denn meine Frau glaubt mir das sonst nie“, erzählte er lachend. Altgen machte aber auch deutlich, dass die aufgezählten Verdienste ohne Unterstützung des gesamten Mitarbeiterteams unmöglich gewesen seien und mahnte, mit Erinnerung an den im Alter von 54 Jahren verstorbenen Vorstandskollegen Albert Reidt, dass man auch in seiner Position demütig sein müsse und nur „Führer auf Zeit“ einer Bank sei. Altgen, der tief verwurzelt in der Region ist, hatte aber auch noch einen weiteren Grund für die Erfolge: „All das ist nur möglich mit solch tollen Menschen hier in der Nordeifel.“
pp/Agentur ProfiPress

Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (r.), ehrte sowohl den Vorstandsvorsitzenden der VR-Bank Nordeifel eG, Bernd Altgen (M.) als auch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank, Robert Pelzer. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Ralf W. Barkey vom RWGV steckte Bernd Altgen die silberne Ehrennadel des Verbandes ans Revers. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress


Aufsichtsratsmitglied Malte Duisberg hielt eine umwerfende Laudatio auf seinen „Chef“ Robert Pelzer. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Helfen und helfen lassen

Statt Mehrgenerationenhaushalt kommt die Mehrgenerationenregion: Wer fit ist, hilft denen, die Gesellschaft und Unterstützung über die Pflege hinaus brauchen – GenoEifel eG, die Generationengenossenschaft mit Sitz in Kall, bringt beide Seiten zusammen – LEADER-Projekt startet mit 181.000 Euro in der Nordeifel und mit Ausdehnungsabsichten auf den gesamten Kreis Euskirchen – Die Betätigungsfelder sind reich: Fahren, Arztbesuche, Behördengänge, Vorlesen, Rasenmähen, Mensch-ärgere-dich-nicht spielen, im Haushalt helfen, Zuwendung geben – Neun Euro die Stunde, ein Geschäft ausschließlich unter Genossenschaftsmitgliedern

Schleiden/Kreis Euskirchen – Das Prinzip ist ebenso genial wie einfach: „Fitte“ Menschen kümmern sich um gebrechlichere Frauen und Männer, gehen für sie einkaufen, erledigen kleinere Arbeiten und Besorgungen und leisten den oft einsamen Alleinstehenden Gesellschaft. Sie tun über die Pflege hinaus das, was früher in einem Mehrgenerationenhaushalt die Kinder für die Eltern, die Enkel für Oma und Opa getan haben.
„Wir versuchen, das Modell Familie auf die ganze Nordeifel-Region zu übertragen“, sagte Wolfgang Merten heute in einer Pressekonferenz in Schleiden.  Bei dem Termin in der VR-Bank Nordeifel stellten Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Merten und Vorstandsvorsitzender Malte Duisberg gemeinsam mit den Koordinatorinnen Corinne Rasky und Marita Manderfeld die „GenoEifel eG“ vor, eine Generationengenossenschaft, die ab sofort Hilfsbedürftige und Helfer zusammenbringen will.
„Es geht nicht um klassische Pflege“, so Malte Duisberg, „dafür ist in aller Regel durch vorhandene Dienste gesorgt.“ Aber die haben kaum Zeit für Gespräche, Zuwendung, kleine Hilfen im Alltag, so Wolfgang Merten: „Ich kenne eine Frau, die könnte jetzt weiter zu Hause alleine leben, obwohl sie keine Angehörigen mehr hat, wenn sie die Leistungen der Dienstleistungsgenossenschaft in Anspruch nähme, sich jemand um sie kümmern würde, ihr den Rasen mäht, Besorgungen macht und auch mal Zeit für eine Partie Mensch-ärgere-dich-nicht hat.“

Kontakt Tel. 0160/ 90 95 27 18,
E-Mail: genoeifel@vr-banknordeifel.de

Auch Corinne Rasky nannte ein Beispiel aus dem so genannten „richtigen Leben“: „Die Ehefrau muss operiert werden, braucht übergangsweise für drei Wochen jemanden, der ein wenig im Haushalt hilft, sie fährt und Besorgungen macht – denn der eigene Mann ist selbst krank und in Reha.“ Da wird die GenoEifel eG mit Sitz im Kaller Rathaus (Tel. 0160/ 90 95 27 18, E-Mail: genoeifel@vr-banknordeifel.de) künftig in ihre Kartei an potenziellen Helfern gucken, wen sie für die drei Wochen vermitteln kann.
Das System lebt von der Hoffnung, dass sich genügend Menschen in Eifel und Kreis Euskirchen finden, die einen Teil ihrer Zeit für solche Hilfen zu geben bereit sind. Hilfebedürftige gibt es durch die demografische Entwicklung immer mehr . . .
Wer ihnen beisteht, indem er zum Beispiel Fahrdienste erledigt, die Senioren zur Kirche oder zum Arzt begleitet, sie im Heim besucht, mit ihnen spazieren geht, ihnen vorliest, Bilder aufhängt oder die Betten bezieht, soll das nicht ohne Gegenleistung tun.
Denn die Generationengenossenschaft führt Buch über die geleisteten Stunden. Die kann man in einem Zeitkonto ansparen – und in Anspruch nehmen, wenn und falls man selbst einmal Begleitung und Unterstützung dieser Art in Anspruch nehmen will.
Außerdem besteht die Möglichkeit, sich die geleisteten Stunden bezahlen zu lassen. Malte Duisberg: „Wer der Meinung ist, dass das Leben so gut zu ihm war, dass er ohne Gegenleistung unterstützen und begleiten will, der kann sich auch so engagieren.“

Ein Geno-Anteil für 50 Euro,
40 Euro Beitrag im Jahr

Der Stundensatz beträgt neun Euro für diejenigen, die Hilfe in Anspruch nehmen. Der Helfer bekommt davon sechs, die Genossenschaft drei Euro. Außerdem müssen Helfer wie Hilfsbedürftige, um überhaupt zueinander vermittelt zu werden, Mitglied der GenoEifel eG werden. Der Jahresbeitrag kostet 40 Euro. Außerdem muss man einmalig mindestens einen Anteil an der Genossenschaft erwerben (50 Euro).
„Das ist eine faire Grundlage, auf der wir den Versuch wagen, eine solidarische Gesellschaft in der Nordeifelregion und später im ganzen Kreis Euskirchen zu organisieren“, so Wolfgang Merten, der Aufsichtsratsvorsitzende. Das hat auch die EU erkannt und das Projekt in seine LEADER-Förderung aufgenommen.
Insgesamt fließen in der Startphase der Jahre 2017 bis 2022 181.000 Euro Fördermittel in die GenoEifel eG, 118.000 aus dem LEADER-Programm, 63.000 Euro von insgesamt zehn regionalen Partnern, darunter Firmen und Stiftungen wie die Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd, deren Geschäftsführer Malte Duisberg ist. Natürlich engagierte sich auch die VR-Bank Nordeifel stark, deren Vorstandsmitglied Wolfgang Merten ist.
Außerdem die Dr. Axe-Stiftung Köln, die DHPG Euskirchen, der Weiss-Verlag Monschau, e-regio Euskirchen, die Anwaltskanzlei Pelzer in Schleiden, die Steuerkanzlei Heinen/L`homme/Weishaupt & Partner in Mechermich, Heimbach und Schleiden, Bohnen & Mies in Schmidtheim und die Energie Nordeifel in Kall.
Im Vorfeld der Genossenschaftsgründung hatten sich Malte Duisberg und Wolfgang Merten bei vergleichbaren Genossenschaften vor allem in Süddeutschland umgesehen und unter Weglassen von Schwächen und Nachteilen ein eigenes Modell aus den positiven Erfahrungen konstruiert, das sie jetzt in einer Pressekonferenz vorstellten.

Auftaktveranstaltung am
29. Mai, 18.30 Uhr, in Gemünd

Im Oktober war die Gründung, am 29. Mai soll die Geno Eifel eG in einer Auftaktveranstaltung um 18.30 Uhr im Kleinen Kursaal Gemünd der Region vorgestellt werden. Dem Vorstand gehört neben Malte Duisberg Karl Vermöhlen an, dem Aufsichtsrat außer Merten auch Claudia Weishaupt von Heinen/L’homme/Weishaupt und der frühere Geschäftsführer, jetzige Pensionär und Kommunalpolitiker Hans Reiff.
Zum Auftakt der Pressekonferenz nannte Malte Duisberg die Grundvoraussetzung für die Generationengenossenschaft in Eifel und Börde: „Wir stellen uns damit einer der größten Voraussetzungen unserer Zukunft, das muss klar sein. Die Gesellschaft wird älter, gerade auf dem Land wollen viele möglichst lange selbstbestimmt und möglichst selbstständig leben. Dazu brauchen sie die Hilfe, die früher eine Mehrgenerationenfamilie gegeben hat. Da es die nicht mehr gibt, hilft kein Zetern und klagen: Wir mussten und wir haben nach einer Alternative gesucht!“
Wolfgang Merten: „Neben professioneller Hilfe wird bürgerschaftliches Engagement immer wichtiger. Noch nie haben so viele ältere Menschen so viel Kompetenz und Berufserfahrung im Alter eingebracht wie heute.  Noch nie haben ältere Menschen über so viel Zeit verfügt, nicht zuletzt durch die länger werdende Zeit des Ruhestandes, wie heute. Ältere Menschen wollen Dinge selber in die Hand nehmen, sich ehrenamtlich einbringen und gleichzeitig für sich selbst einen Nutzen generieren. Wir bringen beide Seiten zusammen: Die, die Unterstützung brauchen und die, die sie geben wollen und geben können!“
pp/Agentur ProfiPress

Ein historisches Bild, es entstand am 7. Oktober 2016 in den Räumen der VR-Bank Nordeifel: Die Versammlungsteilnehmer der Genossenschaftsgründung der GenoEifel eG haben die entsprechenden Protokolle unterzeichnet. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Geniale Idee“ bescheinigten Medienvertreter in einer Pressekonferenz den „Erfindern“ der Generationengenossenschaft GenoEifel eG (von links): Karl Vermöhlen, Wolfgang Merten, Corinne Rasky, Malte Duisberg, Marita Manderfeld, Claudia Weishaupt und Hans Reiff.  Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Vorstandsvorsitzender Malte Duisberg sprach von einem nachhaltigen Konzept auf Generationen. Professionellen Diensten und Handwerkern sollen die freiwilligen Helfer nicht ins Gehege kommen: „Es geht um ehrenamtliche Begleitung und kleine Hilfen im Alltag, Erzählen, vorlesen, mit auf den Friedhof, in die Kirche oder zum Arzt gehen, die Matratzen drehen, Betten neu beziehen, Rasen mähen, Mensch-ärgere-dich-nicht-spielen.“ Dass die Hilfsbedürftigen etwas für die Leistung bezahlen sollen, habe auch etwas mit Würde und Respekt zu tun: „Wir wollen die Menschen nicht zu Almosenempfängern machen.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Corinne Rasky will gemeinsam mit Marita Manderfeld Helfer und Hilfsbedürftige betreuen und zusammenbringen. Sie nannte ein Beispiel: „Die Ehefrau muss operiert werden, braucht übergangsweise für drei Wochen jemanden, der ein wenig im Haushalt hilft, sie fährt und Besorgungen macht – denn der eigene Mann ist selbst krank und in Reha.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Die Helfer sind versichert und in der Berufsgenossenschaft“, so Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Merten, der die Eifeler Generationengenossenschaft seit 2013 mit plante und zum erfolgreichen LEADER-Projekt machte. Die GenoEifel eG erhält für die Startphase bis zum Jahr 2022 118.000 Euro aus dem LEADER-Programm und 63.000 Euro von insgesamt zehn regionalen Partnern, darunter die VR-Bank Nordeifel, die Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd, Dr. Axe-Stiftung Köln, DHPG Euskirchen, Weiss-Verlag Monschau, e-regio Euskirchen, die Anwaltskanzlei Pelzer in Schleiden, die Steuerkanzlei Heinen/L`homme/Weishaupt & Partner in Mechermich, Heimbach und Schleiden, Bohnen & Mies in Schmidtheim und die Energie Nordeifel in Kall.  Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Genossenschaftsidee ist Weltkulturerbe

Die Unesco hat die Genossenschaftsidee kürzlich zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Als Genossenschaftsbank ist die VR-Bank Nordeifel eG von Anfang an von diesem Prinzip überzeugt. Im Interview erklärt Bernd Altgen, warum die genossenschaftliche Idee gerade den Zeitgeist trifft, warum besonders strukturschwache Regionen davon profitieren können und wie sich die VR-Bank Nordeifel eG in diesem Bereich engagiert.

» Was denken Sie, welche Auswirkungen könnte die Erklärung zum immateriellen Weltkulturerbe für die Genossenschaftsidee haben?

Bernd Altgen: Ich hoffe, dass die Genossenschaften dadurch etwas mehr ins Bewusstsein der Menschen geraten. Obwohl es ein tradiertes Modell ist, das Menschen schon seit mehr als 150 Jahren zusammenbringt, kann es gleichzeitig hoch innovativ sein. Schließlich sind momentan viele Menschen auf der Suche nach Modellen, die den Gemeinschaftssinn fördern.

» Die Genossenschaftsidee hat also einen modernen Charakter?

Bernd Altgen: Genau. Betrachtet man zum Beispiel Shared Services oder Crowdfunding – auch dahinter steht meines Erachtens eine genossenschaftliche Idee. Sie bietet den Menschen mehr Möglichkeiten, Ideen zu entwickeln und auch Taten folgen zu lassen. Genossenschaften bringen in dem Maße Nutzen und Wertschöpfung, wie die Mitglieder ihre Leistungen in Anspruch nehmen.
In der evolutionären Entwicklung hat der Mensch früh erkannt, dass man gemeinsam mehr erwirtschaften kann. Menschen beteiligen sich an Projekten, um einen Vorteil für sich zu generieren und gleichzeitig ein möglichst geringes persönliches Risiko einzugehen. An einer Genossenschaft kann man sich beteiligen und ist gleichzeitig nur beschränkt haftbar zu machen. Bei dieser Rechtsform steht eben der Mensch – und nicht das Kapital – im Mittelpunkt.

» Welche Werte zeichnen eine Genossenschaft aus?

Bernd Altgen: All jene Werte, die Menschen verbinden: Nachhaltigkeit, Verlässlichkeit, Solidarität, Ehrlichkeit und Respekt, Fairness und Gerechtigkeit. Es geht dabei um die Frage, wie man Menschen dazu motivieren kann, verantwortlich die Zukunft zu gestalten. Nur wenn alle Akteure davon profitieren, kann es partnerschaftliches Handeln geben, das Nachhaltigkeit schafft.

» In einer Genossenschaft können sich die Mitglieder nach demokratischem Prinzip an der Gestaltung des Unternehmens beteiligen. Welche Möglichkeiten gibt es dazu bei der VR-Bank Nordeifel eG?

Bernd Altgen: In unseren Versammlungen können die Mitglieder ihre Vertreter wählen, die jeweils 250 Genossenschaftsmitglieder repräsentieren. Außerdem binden wir unsere Mitglieder über verschiedene Beiräte in die unternehmerische Gestaltung ein. So haben wir zum Beispiel Regional- und Strategiebeiräte, die über die Vergabe der Mittel aus dem Regionalfonds bestimmen. Die gewählten Mitglieder haben dort nämlich die Stimmenmehrheit – und können den Vorstand überstimmen. Und natürlich sind unsere Mitglieder auch im Aufsichtsrat vertreten.

» Wie profitieren die Mitglieder darüber hinaus von einer Genossenschaftsbank?
Bernd Altgen: Wir sind auf unsere Mitglieder angewiesen – und darauf, dass sie sich in der Region wohlfühlen und hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Darauf fußt letztlich unser regionales Engagement. Wir wollen Menschen und Unternehmen aktivieren, um die Region nach vorne zu bringen – für eine gute Zukunft. Letztendlich muss unser Wirken natürlich dem Zweck der Genossenschaft dienen. Unser Grundauftrag hier in der Nordeifel ist sozusagen die „Dableibensvorsorge“.
In der Nordeifel ist heute die Hälfte der Einwohner Mitglied in der VR-Bank Nordeifel eG. So ist es für uns alle nachhaltig wirtschaftlich, wenn wir die Region nach vorne bringen. Wenn unsere Mitglieder die Eifel als lebenswert empfinden und hier ihren Lebensmittelpunkt haben, wird die Region auch wirtschaftlich tragfähiger. Und natürlich brauchen wir auch hochqualifizierte Mitarbeiter in unserem Unternehmen, denen wir so vor Ort eine Perspektive bieten können.
Die Genossenschaft ist eben ein Menschensystem, in dem die Werte die Leitplanken bilden, die die Menschen miteinander verbinden, für eine gute Zukunft in der Heimat.
» Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Genossenschaften?
Bernd Altgen: Die Genossenschaftsidee basiert von Anfang an auf dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn wir zu den Ursprüngen zurückkehren gab es immer einen Mangel oder einen Druck auf die Menschen, der der Auslöser für die Gründung einer Genossenschaft war. Allgemein sind sicherlich Themen wie Demografie, Digitalisierung und die sogenannte Arbeitswelt 4.0 eine Herausforderung für die Gesellschaft. Die Eifel ist darüber hinaus eine strukturschwache Region, in der wir als Bürger selbst gefordert sind, etwas zu bewegen. Aus diesem Grund unterstützt die VR-Bank Nordeifel eG schon seit Jahren die Gründung von engagierten Genossenschaften in der Region, wie zum Beispiel die Schülergenossenschaft der Realschule Schleiden, den Sistiger Dorfladen, das Streuobstwiesen Netzwerk Nordeifel eG, die GenoEifel eG – die Generationengenossenschaft und die Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG eG. (st)


Bernd Altgen, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Nordeifel eG, sieht den innovativen Charakter der Genossenschaftsidee. Foto: Tucholke


Frische Genossenschaft Sistig eG (Dorfladen)
Kurz vor der Schließung konnten die Sistiger Bürger ihren Dorfladen retten und als Genossenschaft weiter betreiben. Fest angestellte Arbeitskräfte werden hier von Freiwilligen unterstützt, um die örtliche Infrastruktur zu erhalten. Unter eigenem Label werden sogar Brot, Wurst und Bier verkauft. Die VR-Bank Nordeifel eG beriet bei der Gründung in wirtschaftlichen Fragen.


GenoEifel eG – die Generationengenossenschaft
Die Idee ist eine Drei-Generationen-Region: Jüngere Menschen setzen sich bei der Hilfe für alt gewordene Eifeler ein – in Form von Rasenmähen, durch die Zeit für ein Gespräch oder einen Spaziergang. Für ihren Einsatz bekommen sie eine Vergütung oder lassen sich Zeit auf ihrem persönlichen Konto gutschreiben, die sie im Bedarfsfall wieder gegen Hilfe eintauschen können.


HAMMERauch eSG (Schülergenossenschaft)
Die Schülergenossenschaft möchte jungen Menschen schon früh ökonomisches Wissen, Selbstständigkeit und Teamgeist vermitteln. Wie eine echte Genossenschaft ist sie mit Vorstand und Aufsichtsrat aufgebaut und betreibt die Geschäftsfelder Nachhilfenetzwerk, Schulauktionen und schuleigenes Eventmanagement mit Cateringservice. Die Schüler werden dabei regelmäßig durch Mitarbeiter der VR-Bank Nordeifel eG unterstützt.


Dienstleistungsgenossenschaft Eifel DLG
Arbeitgeber aus der Nordeifel haben sich zusammengeschlossen, um als Genossenschaft für die Mitglieder Leistungen aus den Bereichen Personalführung, Chancengleichheit & Diversity, Gesundheit, Wissen & Kompetenz und Digitalisierung zu entwickeln, bereitzustellen oder einzukaufen. Die Eifel DLG, eine Idee der VR-Bank Nordeifel eG, soll ihre Mitglieder wirtschaftlich und sozial fördern – und die Region nach vorne bringen.

Projekte des Vereinswettbewerbs „Ihr seid wir“

Seit einigen Jahren zeichnet die VRBank Nordeifel eG herausragende Projekte von Vereinen im Wettbewerb „Ihr seid wir“ aus. Die erhaltenen Siegprämien dienten für die auf dieser Doppelseite vorgestellten Projekte als wichtige Finanzierungsgrundlage.

Musikverein Harmonie Wolfert
Ob musikalische Früherziehung oder Jugendausbildung: der Musikverein Harmonie Wolfert fördert mit den 1500 Euro aus dem Vereinswettbewerb „Ihr seid wir“ der VR-Bank Nordeifel eG den Nachwuchs. „Wir legen seit Jahren besonderen Wert auf eine hochwertige und qualifizierte Jugendarbeit in unserem Verein“, erzählt der Vorsitzende Erwin Klinkhammer.
In Kooperation mit der Musikschule „Spiel mit“ aus Daun führen Musiklehrer Kinder an ihr erstes Instrument heran. „Jugend für unseren Verein – Vereint für die Zukunft!“ heißt das Projekt, mit dem sich der Musikverein bei dem Wettbewerb der Bank beworben hatte. Jeden Dienstag proben die insgesamt 14 Kinder und Jugendlichen: Die eine Hälfte ist zwischen fünf und sieben Jahren alt und nimmt an der Früherziehung teil, die andere Hälfte ist zwischen acht und 18 Jahren und ist Teil der von Musiklehrer Wolfgang Sitta geleiteten Jugendausbildung.
Gerade bei den Jugendlichen macht sich das stetige Üben bemerkbar. Ein Großteil nimmt bereits an den rund 20 Auftritten teil, die der Musikverein mit seinen 26 aktiven Mitgliedern jährlich absolviert.
Das Repertoire besteht aus klassischer Blasmusik wie Marsch, Walzer und Polka. Gerade die jüngeren Vereinsmitglieder haben aber mittlerweile auch durchgesetzt, dass modernere Stücke, etwa Filmmusiken, gespielt werden. (ts)

KG Blau-Weiß Schleiden
Freier Eintritt für Schleidener Jecken: Die sogenannte Nachmittagssitzung für Senioren und Menschen mit Handicap ist im Schleidener Karneval sehr beliebt. Unter anderem verbringen Menschen aus Pflegeeinrichtungen, etwa dem Haus Effata, der Lebenshilfe und dem Liebfrauenhof, gemeinsam eine jecke Zeit. Bislang war im Eintrittspreis auch eine Tasse Kaffee enthalten.
In diesem Jahr war die Karnevalssitzung, die erstmals in der ehemaligen Hauptschule stattfand, allerdings komplett kostenfrei. Denn die ausrichtende KG BlauWeiß Schleiden hatte beim Vereinswettbewerb „Ihr seid wir“ der VR-Bank Nordeifel eG teilgenommen und im Bezirk Schleiden den zweiten Platz errungen. Von dem Geld – insgesamt waren es 1000 Euro – konnte sogar noch die Gage für einen Künstler gezahlt werden.
Rund 80 Menschen feierten zum 40-jährigen Bestehen des Vereins unter dem Motto „Seit 40 Johr mim Hätz am rechten Fleck, sin mir in Schleede blau wiess jeck“. Das Schleidener Jungprinzenpaar Leon I. und Alina I. waren ebenso auf der Bühne wie das Dreiborner Prinzenpaar André III. und Sarah I. und das Ettelscheider Dreigestirn Prinz Katrin I., Bauer Jessica I. und Jungfrau Annika I. Garde- und Showtänzer zeigten ebenso wie das Synchron- und Solo-Tanzpaar des Vereins ihr Können. Julius Schmitz alias „Augustus“ trat in die Bütt. (ts)

Nettersheimer Tennisclub
Als Gewinner des Vereinswettbewerbs in Nettersheim kann der örtliche Tennis-Club mit der Prämie den Sanitärbereich im Keller des Klubheims sanieren. „Da hat sich seit dem Bau des Vereinsheims, also seit 1977/78, nichts mehr getan“, berichtet Vereinsvorsitzender Volker Mießeler. In drei Arbeitsschritten wurden und werden die Toiletten und Duschen umgestaltet, und zwar nicht nur optisch, sondern auch von der Aufteilung. „Die war nicht optimal“, sagt Mießeler.
Ein Herren-WC wurde bereits umgewandelt, im zweiten Schritt wurden im vergangenen Winter die Herren-Duschen und eine zweite Herren-Toilette saniert – wofür auch die Gewinnsumme verwendet wurde. In einem dritten Schritt soll schließlich der Sanitärbereich für die Damen erneuert werden. Dazu wurden städtebauliche Fördermittel beantragt. Das gesamte Projekt schlägt mit rund 20.000 Euro zu Buche.
Eine vernünftige Infrastruktur sei notwendig, schließlich kooperiert der Verein auch mit anderen Partnern, etwa der Gesamtschule. „Ohne Sponsoring und Förderungen ist so ein Projekt für einen kleinen Verein aber nicht zu stemmen“, sagt Mießeler. (ts)

Dorfgemeinschaft Reetz
In Reetz kümmert sich die Dorfgemeinschaft um alles, was die Heimat- und Brauchtumspflege angeht. Veranstaltungen zu Karneval, Kirmes, Sankt Martin
und zum Altentag werden genauso in Eigenleistung organisiert wie Müllsammelaktionen, die Pflege von Wegekreuzen und Wanderbänken und das jährliche Reibekuchenfest. Gleichzeitig kümmert sich der Verein darum, die Infrastruktur für das Leben in der Gemeinschaft zu schaffen, etwa mit dem Bau des Bürgerhauses, der Gestaltung eines Jugendraumes oder dem Ausbau der Grillhütte.
Zum zweiten Mal hat die Dorfgemeinschaft Reetz kürzlich beim Vereinswettbewerb „Ihr seid wir“ der VR-Bank Nordeifel eG gewonnen. Mit der aktuellen Prämie soll in Kürze die Grillhütte um- und ausgebaut werden. Die Prämie aus dem Vereinswettbewerb des vergangenen Jahres konnte vor allem in die Gestaltung des Jugendraumes am alten Pfarrheim investiert werden. Daran beteiligten sich auch die Jugendlichen, die ihre Arbeitsleistung und ihre Ideen zur Raumplanung mit einbrachten.
Der Raum steht den Jugendlichen unter anderem als offener Jugendtreff im Ort und für Feiern zur Verfügung. „Uns ist es ein Anliegen, die Jugendlichen schon früh an das Thema Gemeinschaft heranzuführen“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Brenner. Schriftführer Helmut Prämassing stimmt ihm zu: „So kann sich jeder mit seinen Rechten und Pflichten in das Gemeinschaftsleben einbringen.“ (st)

Behinderten- & Versehrten-Sportgemeinschaft Dahlem
Im Schwimmbad in Dahlem herrscht gute Laune. Die Männer und Frauen der Behinderten- und Versehrten-Sportgemeinschaft (BVSG) Dahlem haben ihre Karnevalsfeier ins Schwimmbecken verlegt. Mit bunten Perücken, Masken, Luftballons und Kostümen haben sie Spaß bei der Wassergymnastik, zu der Karnevalsmusik aus den Lautsprechern schallt. Annegret Söns, Kursleiterin und Vorsitzende des Vereins, steht mit ihrer Stellvertreterin Ute Wurst am Beckenrand und macht die Übungen vor.
Die BVSG Dahlem hat im Vereinswettbewerb den zweiten Platz belegt und freut sich über das Preisgeld. Das soll in neue Schwimmhilfen angelegt werden. „Es gibt Hanteln fürs Wasser, um bei den Übungen die Muskeln zu stärken“, erklärt Söns und fügt hinzu: „Die habe ich schon oft in Schwimmbädern gesehen – aber bisher waren sie zu teuer.“
Ein Teil der Prämie wurde zur finanziellen Unterstützung der geselligen Veranstaltungen des Vereins wie die Weihnachtsfeier genutzt. Söns: „Viele unserer Mitglieder leben alleine und freuen sich, wenn wir im Verein zusammenkommen, sie sich unterhalten oder miteinander singen können.“ (st)

Eifelwirtschaft: Stimmung gut!

Die dhpg, eines der führenden, mittelständischen Beratungsunternehmen in Deutschland mit Sitz in Euskirchen seit 40 Jahren, hat mit Unterstützung der VR-Bank Nordeifel in einem wissenschaftlichen Gutachten den Wirtschaftsstandort Eifel unter die Lupe genommen – 80 Betriebe, größtenteils aus dem Kreis Euskirchen, beteiligten sich an der Umfrage – Überraschende und durchweg positive Lage hiesiger Handwerks- und Gewerbebetriebe

Euskirchen/Eifel – Die Eifel ist als Wirtschaftsstandort entschieden besser als ihr Ruf. Zwar gibt es das oft zitierte Nord-Süd-Gefälle tatsächlich, aber unter dem Strich sind die Handwerks-, Gewerbe- und Industriebetriebe zwischen Ville und Venn erheblich zufriedener mit ihrer ökonomischen Lage und der Infrastruktur als gemeinhin behauptet wird.

Die deutschlandweit zu beobachtende Tendenz weg vom Land und hin in die Städte und Ballungsrandzonen („Urbanisierung“), so dhpg-Sprecher Volker Loesenbeck, ist im Kreis Euskirchen nicht zu bemerken.
Das war Tenor einer Pressekonferenz, die Loesenbeck und Brigitte Schultes vom Steuerberatungs- und Wirtschaftsberatungsbüro dhpg sowie Wolfgang Merten und Dieter Benning von der VR-Bank Nordeifel gemeinsam in Euskirchen gaben.

Gegenstand war die erste Standortanalyse überhaupt, die die seit 1977 in Euskirchen am Charleviller Platz ansässige, bundesweit tätige Steuer- und Wirtschaftsberatungskanzlei dhpg mit Unterstützung der VR-Bank Nordeifel bei der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, CENTIM, Centrum für Entrepreneurship, Innovation und Mittelstand, in Auftrag gegeben hatte.

Angeschrieben und online angefragt worden waren 640 Firmen – der Rücklauf von 12,5 Prozent sei mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt solcher Studien, so zitierte Volker Loesenbeck Professor Dr. Klaus Deimel von CENTIM. Die wichtigsten Aussagen der im September/Oktober 2016 durchgeführten Befragung von 80 Wirtschaftsunternehmen mit unter neun bis über 500 Beschäftigten und mit Jahresumsätzen zwischen unter zwei und über 50 Millionen Euro.

Die wichtigsten Aussagen der Studie:

1.    Die Unternehmen im Kreis Euskirchen sind nicht aus Zufall in der Eifel. Sie wurden entweder dort gegründet oder haben sich bewusst im Raum zwischen Weilerswist und Dahlem angesiedelt. 75 Prozent der Unternehmen sind zufrieden mit diesem Standort, nur zehn Prozent würden sich auch irgendwo anders ansiedeln. Das angeblich belastende Eifelimage spielt bei den Unternehmern eine zu vernachlässigend geringe Rolle. Im Gegenteil. VR-Bank-Vorstand Wolfgang Merten: „Das zeigt natürlich auch, dass wir relativ wenig neue Betriebe für die Eifel werben.“

2.    Es gibt in der Eifel drei Unternehmertypen, deren Wirtschaftsweise sich zum Teil stark voneinander unterscheidet: Erfahrene Traditionsorientierte, Innovationsoffensive durchaus mit Bereitschaft zum Risiko und vorsichtige Innovatoren.

3.    Die Unternehmen im Wirtschaftsraum Eifel blicken durchweg positiv auf ihre aktuelle Geschäftslage. 23,2 Prozent sind insgesamt „sehr zufrieden“, im Euskirchener Nordkreis sogar 36,8 Prozent, 50,7 Prozent sind „eher zufrieden“, 42,1 Prozent im Südkreis. Nur 7,2 Prozent sind kreisweit „eher unzufrieden“, nur 1,4 Prozent sind „sehr unzufrieden“.

4.    Was die Zufriedenheit mit Infrastruktur und Rahmenbedingungen trübt, sind der Grad der Digitalisierung, das Nichtvorhandensein von Breitbandverkabelung, mangelnde kommunale Unterstützung beziehungsweise zu hohe Gewerbesteuerhebesätze, verbesserungsbedürftige Verkehrsanbindung (A 1-Lückenschluss) und Fachkräftemangel.

dhpg und VR-Bank bieten Beratung und Hilfe

In ersten Unternehmergesprächen zur Standortanalyse in Euskirchen und Schleiden riet die dhpg den Unternehmen aufgrund des Gutachtens zu Innovationsfreude und aktiver Zukunftsgestaltung, die VR-Bank Nordeifel bot dabei ihre offene Zusammenarbeit an.

Beide Institutionen wollen gemeinsam mit den Unternehmern ihren Einfluss auf die Politik geltend machen, die Rahmenbedingungen im Kreis Euskirchen zu verbessern. Einen Termin bei der Wirtschaftsförderung des Kreises hat die dhpg schon abgestimmt.

Volker Loesenbeck: „Der Unterstützungsgrad ist unterschiedlich in den Kommunen. Festzuhalten bleibt, dass Städte und Gemeinden im Haushaltssicherungskonzept oft gezwungen sind, hohe Gewerbesteuersätze zu nehmen.“ Kall beispielsweise habe den bundesweiten Spitzenreiter München (Hebesatz 490 Prozent) inzwischen mit 515 Prozentpunkten noch überflügelt.

Wolfgang Merten: „Im Übrigen neigen die Eifeler Firmen nicht zum Wehklagen, sondern sie improvisieren und helfen sich selbst bei Schwierigkeiten.“ Die VR-Bank wolle aber hier mit ihren neuen Dienstleistungsgenossenschaft Plattform und Vernetzung der Eifeler Unternehmen bieten und in Solidargemeinschaft mit ihnen realisieren.

Digitale und verkehrstechnische Infrastruktur sowie der Fachkräftemangel werden als zentrale Herausforderungen gesehen. Nahezu zwei Drittel der befragten Unternehmen begegnen dem Fachkräftemangel in Form von flexibleren Arbeitszeitmodellen, betrieblicher Altersvorsorge und Weiterbildungsangeboten. Auch bessere Bezahlung soll Experten in die Eifel locken.
pp/Agentur ProfiPress


Am Rande der Pressekonferenz vor dem Sitz der dhpg, einem der führenden, mittelständischen Beratungsunternehmen in Deutschland mit Sitz in Euskirchen seit 40 Jahren (von links): Brigitte Schultes, Dieter Benning, Wolfgang Merten und Volker Loesenbeck. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress